Die Ruhe vor dem Sturm

Ein Besuch am Domplatz einen Tag vor dem Papstbesuch in Erfurt

Aufbau

 

Erfurt. Mittagszeit in Erfurt. Auf den Holzbänken hinter dem Domplatz haben es sich einige Menschen im Schatten der Bäume gemütlich gemacht. Sie trinken ihren Kaffee oder essen eine Bratwurst. Sie unterhalten sich oder schalten einen Moment vom Arbeitsalltag ab. Morgen um diese Zeit wird Papst Benedikt XVI. in Erfurt sein. Vom Trubel rund um den Papstbesuch ist hier gerade wenig zu spüren. Auf dem Domplatz selbst laufen noch einige Vorbereitungen – vieles ist geschafft.

Eine ältere Frau schiebt ihr Fahrrad am großen Absperrzaun vorbei. Von weitem versucht sie die Altarinsel zu fotografieren. „Mein Mann wollte sehen, wie die Bühne aussieht“, sagt sie, „man kommt ja nicht nah ran.“ Michael Zacher verkauft Thüringer Rostbratwürste nahe dem Domplatz. „Die Leute kommen aus ganz Deutschland“, sagt er. „Aus Aachen war gerade jemand hier, auch einer aus Essen, Leute von der Nordsee und der Ostsee.“ Um 14 Uhr schließen die verschiedenen Stände des Wochenmarktes. „Am Freitag, wenn der Papst da ist, haben wir Zwangsurlaub“, erklärt Zacher. „Da dürfen wir nichts braten. Kein offenes Feuer, wegen des Brandschutzes.“

Erhard Zimmer und seine Frau Isolde haben es sich im Biergarten am Dom gemütlich gemacht und beobachten von dort die Aufbauarbeiten. „Von hier hat man die beste Aussicht auf die Bühne“, sagen sie. „Wir wohnen am anderen Ende der Stadt. Jetzt kommen wir jeden Tag hierher und schauen, was sich tut.“ Beim Gottesdienst am Samstag werden die beiden nicht dabei sein. „Das könnte ich nicht“, sagt Isolde Zimmer und seufzt. „Da würde ich Platzangst bekommen. Zu Hause, im Fernsehen, kann ich alles viel besser sehen.“

Am Samstagmorgen, 24. September, wird Papst Benedikt auf dem Erfurter Domplatz die heilige Messe feiern. Bis dahin muss alles perfekt sein. Für Licht, Video und Ton wurden 2,5 bis 3 Kilometer Kabel verlegt. Ein Mann und eine Frau reinigen in der Mittagssonne die Stufen der Altarinsel. Staubsaugen, mit dem kleinen Hochdruckreiniger abspritzen, nachwischen. Die Generalprobe hat hier heute Morgen ihre Spuren hinterlassen. Der Domplatz ist mit Stahlelementen in verschiedene Felder unterteilt. Sie markieren die Strecke, die der Papst im Papamobil fahren wird. Gelbe Absperrseile liegen bereit. 1000 Meter insgesamt. Sie begrenzen die weiteren Seiten der Pilgerblöcke.

Walter Schiel ist als Polizist beim Aufbau im Einsatz. „Wir kommen aus Bayern“, betont er. Zusammen mit seinen Kollegen wartet er nun auf den nächsten Auftrag. Aus dem Polizeiwagen ist das Bellen der Sprengstoff-Spürhunde zu hören. „Wir waren im Augustinerkloster und haben hier schon einige Bereiche abgesucht“, erklärt Schiel, „wenn alles fertig aufgebaut ist, geht es weiter.“ Bis spät in den Abend dauern die Aufbauarbeiten am Donnerstag. Dann kann der Papst kommen.

Katharina Deuling (kd)



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