"Vielleicht schaut der Papst ja mal bei uns in Erfurt vorbei"

Junge Europäer führen fremdsprachige Touristen durch den Erfurter Dom

Erfurt (BiP). Junge Leute aus aller Welt zieht es zum Papst nach Köln. Nicht so Janna, Margriet und Steve. Die bleiben lieber im Erfurter Dom. Hier wollen sie ausländische Gäste in deren Sprache durch den Dom führen. Dabei sind die drei jungen Leute, die aus Frankreich, den Niederlanden und England stammen, selbst zum ersten Mal in Deutschland.

Erfurt begeistert sie. "Eine freundliche, kleine Stadt, die uns herzlich aufgenommen hat", sagen Margriet (22) und Steve (25). Beide studieren: Margriet Möbelrestaurierung in Amsterdam und Steve Kirchengeschichte in Oxford. Bei Janna war es besonders die Kultur, die die 30jährige Doktorandin, die beim Europa-Rat arbeitet, nach Thüringen gelockt hat. "Goethe, Schiller, Martin Luther, die Katholisch-Theologische Fakultät", zählt sie auf und begründet so, warum sie sich gegen Trier entschieden hat.

Margriet und Steve hatten dagegen keine Wahl, sie konnten sich höchstens bei ARC ein Land aussuchen, die Stadt selbst wurde ausgelost. ARC ist eine ökumenische, von jungen Leuten geleitete Organisation, die jedes Jahr gemischte Gruppen von Studenten organisiert, damit sie Touristen durch berühmte europäische Kathedralen führen. "Steine zum Sprechen bringen", lautet das Motto der Organisation. Die Kirchen sollen nicht nur als historische Bauwerke im Mittelpunkt stehen, sondern als Stein gewordener Glaube mit ihren religiösen und spirituellen Dimensionen.

"Im Erfurter Dom sieht man, wie sich die Religiosität der Menschen durch die Jahrhunderte in Kunst und Architektur niedergeschlagen hat", erläutert Steve. Das interessiert auch besonders Janna. Ihre philosophisch-sprachwissenschaftliche Doktorarbeit schreibt sie an den Universitäten von Lausanne und Bordeaux über Aspekte der religiösen Sprache. "In allen Kunstwerken des Mariendomes findet der aufmerksame Betrachter Elemente der christlichen Botschaft. Das ist sehr interessant", findet sie.

Für ihre Führungen auf Englisch, Französich, Niederländisch und Russisch mussten sich Steve und die beiden Frauen intensiv vorbereiten. "ARC organisierte in verschiedenen Ländern Info-Tage und Wochenenden, und natürlich mussten wir viel über die Geschichte des Domberges lesen", erzählt Margriet. Seit letztem Montag (1. August) sind sie in Erfurt und bereiten sich vor Ort auf Ihre Tätigkeit als Domführer vor – stets betreut von der Touristenseelsorgerin des Domberges, Gemeindereferentin Cordula Hörbe. "Demnächst steht die Gloriosa auf dem Programm, bisher hat es noch nicht geklappt", berichtet sie.

Cordula Hörbe freut sich über das Engagement der jungen Leute: "Wenn das kein gutes Zeichen ist: Menschen, die sich vorher nicht kannten, kommen aus unterschiedlichen Ländern nach Erfurt, um hier gemeinsam ein Projekt zu verwirklichen, das anderen zu Gute kommt." In den letzten Jahren habe man im Erfurter Dom nur gute Erfahrungen mit dem Einsatz der ARC-Leute gemacht, sagt Frau Hörbe.

Das derzeitige ARC-Terzett hat sich auch schon gut zusammengerauft. Untergebracht sind die jungen Leute bei einer Familie in Erfurt-Marbach. Das gemeinsame Wohnen liegt ebenfalls auf der Linie von ARC, was als Abkürzung für Accueil (Empfang), Rencontre (Begegnung) und Communauté (Gemeinschaft) gelesen sein will. Auch auf diese Weise will die Organisation Kontakte zwischen jungen Leuten verschiedenster Nationen und Konfessionen fördern.

Dazu gibt es in Erfurt gute Gelegenheiten, denn die Französin Janna gehört der russisch-orthodoxen Kirche an, der Engländer Steve ist Anglikaner und die Niederländerin Margriet Protestantin. Und alle drei führen durch einen katholischen Dom. Wären sie da nicht auch gut beim Weltjugendtreffen mit dem Papst in Köln aufgehoben? Margriet lacht: "Vielleicht schaut der Papst ja mal in Erfurt vorbei."


Stichwort "ARC"
ARC ist eine internationale ökumenische Organisation, die von jungen Leuten geleitet wird. Jedes Jahr organisiert ARC im Sommer international gemischte Gruppen von Studenten in mehreren berühmten und von Touristen viel besuchten Kathedralen in Europa. Für drei oder vier Wochen führen diese Studenten, jeder in seiner eigenen Sprache, Besucher durch die jeweiligen Kirchen. Hierbei wollen sie die Kirchen in all ihren Aspekten (Kunstgeschichte, Geschichte und Religion) erläutern und sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart zur Sprache bringen. ARC versucht, die Führung als eine Art Dialog mit den Besuchern zu gestalten. Neben den Führungen setzt ARC sich zum Ziel, die Kontakte zwischen jungen Leuten verschiedenster Nationen und christlicher Konfessionen zu fördern, indem sie einige Wochen Wohnung, Arbeit und Gebet teilen.
Die Ziele von ARC werden im Namen der Organisation deutlich: Die Buchstaben ARC bezeichnen die Worte Accueil (Empfang), Rencontre (Begegnung), und Communauté (Gemeinschaft). Weiteres über die Ziele von ARC finden sich in der ARC Charta. Diesen Sommer ist ARC tätig in London, Salisbury (GB), Bonn, Erfurt, Trier (D), Luxembourg (L), Florenz (I), Bordeaux, Annecy (F), Gent (B) und 's-Hertogenbosch (NL).



www.arc-europe.org


Impressum | Sitemap | Kontakt
powered by St. Benno-Verlag