Ein Mann der klaren Worte

Nachruf des Bistums Erfurt anlässlich des Todes von Joachim Kardinal Meisner

Gemälde, das das Osterlamm zeigtVon vielen Seiten wird nach der Todesnachricht am 5. Juli 2017 das Leben des verstorbenen Joachim Kardinal Meisner gewürdigt. In die Schar derer, die sein Leben betrachten und würdigen, reiht sich auch die Gemeinschaft der Katholiken des Bistums Erfurt ein, denn mit ihr war Joachim Kardinal Meisner in vielfacher Weise verbunden.

Begonnen hatte die Verbundenheit mit seiner Vertreibung 1945 in die thüringische Diaspora nach Körner bei Mühlhausen. Mit der Mutter und seinen drei Geschwistern verbrachte er hier seine Kindheit in Armut. Das hat ihn wesentlich geprägt, so dass er bis ins hohe Alter und von den verschiedensten Wirkungsorten her jedes Jahr nach Körner kam, um hier mit der Familie einige Zeit zu verbringen. Nach dem Schulabschluss in Mühlhausen ging er nach Magdeburg, um dort im damaligen Norbertuswerk das kirchliche Abitur abzulegen, damit er mit dem Studium der Theologie und Philosophie den Weg zum Dienst als Priester weitergehen konnte, zu dem er sich berufen fühlte.

Nach seiner Priesterweihe am 22. Dezember 1962 durch den damaligen Weihbischof Dr. Joseph Freusberg arbeitete er als Kaplan in der Pfarrei St. Ägidien zu Heiligenstadt. 1966 wurde er zum Rektor des Caritasverbandes in Erfurt ernannt und betreute bis 1975 das Referat „Kirchliche Dienste“. ´Zu diesem Aufgabenfeld gehörte auch die Ausbildung der Diakonatshelfer und –helferinnen, die an den Sonntagen in den kleineren Orten des Bistums durch Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionausteilung die Gläubigen zum Gebet versammeln sollten. Bis heute versehen im Bistum Erfurt etwa 400 Männer und Frauen diesen seelsorglich wertvollen Dienst.

Seine kirchengeschichtlichen Studien schloss Joachim Meisner mit der Promotion 1969 ab. In seinen wissenschaftlichen Studien beschäftigte er sich mit den „Nachreformatorischen katholischen Frömmigkeitsformen in Erfurt“.

Nach der Ernennung zum Weihbischof erhielt Joachim Meisner am 17. Mai 1975 durch Bischof Hugo Aufderbeck im Erfurter Dom die Bischofsweihe und unterstützte die Arbeit des Bischofs in vielfältiger Weise. Mit klaren Worten sprach er die Themen an, die es den Katholiken im damaligen Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen schwer machten, ihr Christsein zu leben. Mit einer bilderreichen Sprache vermittelte er selbst die schwierigen Glaubensinhalte.

Die Marienfrömmigkeit, die er aus seiner schlesischen Heimat Breslau mitgebracht hatte, prägte auch hier in Thüringen sein Interesse für die Wallfahrtsorte – besonders für den Marienwallfahrtsort Etzelsbach. Papst Benedikt XVI wies bei der Vesper-Ansprache am 23. September 2011 bei seinem Besuch in Etzelbach darauf hin, dass ihm Kardinal Meisner schon viel vom Eichsfeld erzählt hätte und er froh sei, jetzt im Eichsfeld zu sein zu können. Aber auch die Diaporagemeinden freuten sich über die persönliche Art von Weihbischof Meisner bei Firmungen und Gemeindebesuchen. Somit ist die Trauer über seinen plötzlichen Tod im ganzen Bistum zu spüren.

Der Weg als Bischof führte ihn dann über Berlin nach Köln, wo er von 1988 bis 2014 als Erzbischof die große Erzdiözese leitete. Auch hier war er ein Mann mit klaren Worten, die ihm sowohl große Beachtung und auch Widerspruch einbrachten. „Spes nostra firma est“ – „Unsere Hoffnung für Euch ist fest und unerschütterlich“,  – dieses bischöfliche Leitwort aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus (1 Kor 1,7) füllte er mit seinem Charakter und seinen Charismen. Die Gläubigen des Bistums Erfurt danken Gott, dass sie Joachim Kardinal Meisner in seiner Zeit als Priester und Weihbischof haben und als Seelsorger erleben durften.

Für das Bistum Erfurt
Bischof Ulrich Neymeyr

Nachruf des Bistums Erfurt anlässlich des Todes von Joachim Kardinal Meisner



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