Milchbauer aus Burkina Faso besucht LAPROMA-Milchviehanlage in  Schlossvippach

Besuch im Rahmen der Misereor-Fastenaktion, die bäuerliche Innovationen in Afrika thematisiert

drei Bäuerinnen in Burkina Faso auf einenm FeldwegErfurt/Schlossvippach (BiP). Wenn Adama Diallo aus Burkina Faso ab nächsten Sonntag zu Gast in Thüringen ist, geht es ausnahmsweise einmal nicht um die Wurst. Die Milch steht im Mittelpunkt, denn Diallo ist Präsident des Dachverbandes der Kleinmolkereien seines Landes. Als solcher wird er die Milchviehanlage der „LAPROMA Erzeuger- und Handels-AG“ nördlich von Dielsdorf besuchen und dort auch das, laut Firmen-Webseite, erste vollautomatische Melkkarussell in Europa in Augenschein nehmen. Da melkt sich die Kuh gewissermaßen wie von selbst. Doch nicht die Technik allein interessiert den Gast. Mehr noch liegt ihm an einem fachlichen Austausch mit Vertretern der Thüringer Milchwirtschaft und an ihrer Sicht der Dinge. Es wird nicht das erste Gespräch dieser Art sein. Diallo war schon mehrere Male in Deutschland. 2016 empfing er eine Delegation europäischer Milchbauern auf seinem Hof in Burkina Faso.

Adama Diallo ist auf Einladung von Misereor in Deutschland. Das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit thematisiert in seiner diesjährigen Fastenaktion am Beispiel Burkina Fasos die bäuerliche Innovation in so genannten Entwicklungsländern. „Misereor will aufzeigen, dass Kleinbäuerinnen und -bauern kreative Lösungen für ihre Probleme finden und nicht darauf angewiesen sind, dass diese von außen kommen“, sagt Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung bei Misereor. Am Beispiel Milch und den sogenannten Minimolkereien wolle man zeigen, wie innovativ die Konzepte der Kleinbauern sind, wie viel Potenzial ihre Milchwirtschaft hat und wie sich ihr Leben dadurch verändern kann. „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen“, lautet dementsprechend das Motto der Fastenaktion 2017.

Minimolkereien werden von Misereor in Zusammenarbeit mit seiner Vor-Ort-Partnerorganisation PASMEP unterstützt, um den lokalen Milchsektor in Burkina Faso zu fördern. Zu dem Programm gehört die Unterstützung der Milchbauern im Bereich Fütterung, aber auch im Molkereiwesen, erzählt Kerstin Lanje. „Wie kann Milch effizient produziert werden? Wie kann sie abgekocht werden? Durch diese Unterstützung wird die lokale Milchproduktion konkurrenzfähiger.“ Je nach Jahreszeit würden die Milchkühe pro Tag zwischen zwei und sechs Liter Milch geben. „Die Frauen bringen sie zu der Molkerei. Dort wird sie zu Joghurt verarbeitet oder auch zu Frischmilch, die dann lokal verkauft wird“, beschreibt die Misereor-Referentin den Produktionsprozess.

Doch in einer globalen Welt ist niemand eine Insel und für sich allein existenzfähig. Das gilt auch für Länder wie Deutschland und Burkina Faso. „Die Milch macht´s“ – auf diesen Werbespruch von einst können Milchproduzenten in Deutschland schon lange nicht mehr vertrauen. Die hiesigen Bauern lässt die Milch eher verzweifeln. Die Preise sind im Keller, der Verbrauch sinkt. „Und obwohl die Nachfrage nicht gestiegen ist, ist gleichzeitig die Milchproduktion gestiegen. Die produzierte Milch findet hier aber keinen Absatz und wird daher in Form von Milchpulver exportiert“, erläutert Expertin Kerstin Lanje. Ein Teil dieses Pulvers lande in Westafrika und sei dort überall in Kiosken und Supermärkten erhältlich. Das allerdings deutlich günstiger als die lokale Milch der burkinischen Milchbauern.

„Das Pulver kostet nur rund ein Drittel des heimischen Milchpreises. Das ist nicht nur ein Problem für die Bauern in Burkina Faso, sondern auch für die Milchbauern in Deutschland und Europa: Der Milchpreis ist in den letzten Jahren aufgrund der Mengen extrem gefallen, viele Betriebe mussten aufgeben“, bilanziert Lanje. Misereor kritisiert darum die Handelspolitik der Europäischen Union und ihre Weltmarktorientierung. Diese Politik sei nicht nachhaltig und behalte in keiner Weise die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Developments Goals (SDGs), im Blick“, betont die Misereor-Referentin. Dadurch würden Kleinbauern zunehmend in die Armut gedrängt, obwohl 70 Prozent der weltweit verfügbaren Nahrungsmittel von ihnen produziert würden.

Die Milchbauern hier wie dort sitzen durchaus in einem Boot, wenn auch auf unterschiedlichen Plätzen. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nennen als Ziel „leave no one behind – niemanden zurück lassen“. Da braucht es wohl noch viele gute Ideen (und ihre Umsetzung), bis dieses Ziel Wirklichkeit wird. „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen“, möchte man mit Misereor ausrufen. Denn irgendwie geht es ja doch um die Wurst, nicht nur in Thüringen.

Biografische Skizze: Adama (Ibrahim) Diallo
•    Schloss 1987 das Gymnasium ab und machte 1994 ein Diplom in Tischlerei.
•    War von 1993 bis 2003 für den kaufmännischen Bereich der Kleinstmolkerei Kossam Yadega im Norden von Burkina Faso zuständig, wo 2016 die faire Milch für Burkina Faso eingeführt wurde, die FAIREFASO.
•    Ist seit 2007 Präsident des Dachverbands der Kleinmolkereien von Burkina Faso (Union nationale des Mini Laiteries et petits Producteurs de Lait local). Tritt als solcher für die Stärkung der lokalen Milch ein und kann fundiert über die realen Lebensbedingungen von Bauern und Hirten und die Auswirkungen der europäischen Milchpolitik in Burkina Faso berichten.
•    Nahm zusammen mit Rene Millogo bereits 2014 an dem Bauerndialog zu Milch im Allgäu und in der Eifel teil. Er war Redner auf der „Wir haben es satt"-Demonstration im Januar 2016 in Berlin und auf der Schnippeldisko zur aktuellen Agrarpolitik.
•    Ist in Burkina Faso ein wichtiger Fürsprecher für die lokale Milch, eröffnete die Messe für lokale Milch in Burkina Faso 2016 und empfing im Juni die Delegation europäischer Milchbauern auf seinem Hof.
•    Adama Ibrahim Diallo ist Moslem, verheiratet und hat fünf Kinder.
•    Zu Gast in den Diözesen: Aachen (16.-17.03.), Erfurt (18.-24.03.), Speyer (25.-27.03.), Mainz (28.03.-01.04.).

22.03.2017



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