"Gott los werden? Wenn Glaube und Unglaube sich umarmen"

Pater Anselm Grün und Prof. Tomás Halík am 22.November in Erfurt

Prof. Tomás Halík und Pater Anselm GrünErfurt (BiP). Wenn zwei Männer wie Anselm Grün und Tomas Halik miteinander über Glaube, Zweifel und Unglaube sprechen, dann verspricht das einen interessanten Abend. Schon allein wegen der unterschiedlichen und teils dramatischen Lebensläufe der beiden Bestseller-Autoren, die bei einer Veranstaltung der Erfurter Bistumsakademie "Katholisches Forum" am Dienstag, 22. November im Collegium Maius (Erfurt, Michaelisstr. 39) zu erleben sind. Ab 19 Uhr diskutieren sie mit dem Theologen Hubertus Schönemann über die Frage: Gott los werden?

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, um Anmeldung wird jedoch gebeten: Per E-Mail unter kath.forum@bistum-erfurt.de oder telefonisch unter 0361 - 6572-370.

Anselm Grün (*1945) entschloss sich, nach dem Abitur Mönch zu werden und trat in die Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach ein. Doch noch ehe er Theologie studieren, Priester werden und sogar promovieren sollte, setzten bei ihm Zweifel ein: "Nach der ersten Begeisterung kam die Ernüchterung. […] Vier Jahre nach meinem Eintritt ging die Studentenrevolte des Jahres 1968 auch am Kloster nicht spurlos vorüber. Wir waren mit vielen alten Zöpfen nicht mehr einverstanden. Wir rebellierten gegen veraltete Formen. Wir waren unsicher, welche Bedeutung benediktinisches Mönchtum für unsere Zeit noch haben könnte", schreibt er Jahrzehnte später. Es sollten nicht die letzten Zweifel bleiben. Ausgerechnet Grün, der mit rund 300 Büchern zu einem der meistgelesenen geistlichen Autoren und Seelenführer der Gegenwart geworden ist, sagt von sich: "Ich kenne in mir Glaube und Unglaube." Für ihn ist das kein Widerspruch.

Auch der heutige Religionssoziologe Tomas Halik, 1948 in Prag geboren, kennt Zweifel aus eigener Erfahrung: "Ich habe mich vom Agnostizismus meiner Familie zum Glauben durchgezweifelt. Ich habe so viel gezweifelt, dass ich auch über meine Zweifel gezweifelt habe", erzählt er rückblickend. Halik hatte Soziologie, Philosophie und Psychologie an der Karlsuniversität in Prag studiert und zuletzt als Psychotherapeut für Alkohol- und Drogenabhängige gearbeitet, ehe er sich entschloss, Theologie zu studieren und Priester zu werden. Im Geheimen, denn die Katholiken konnten wegen der staatlichen Verfolgung in der kommunistischen Tschechoslowakei oft nur im Untergrund zu Gottesdiensten zusammenkommen; so mancher musste wegen seines Glaubens ins Gefängnis oder sogar sein Leben geben.

Haliks Priesterweihe konnte deshalb nur außerhalb des Landes stattfinden, in Erfurt, durch Bischof Hugo Aufderbeck in der Kapelle des heutigen Ordinariates. Niemand durfte davon wissen, nicht einmal Haliks Mutter erfuhr davon und von seiner Tätigkeit in der Untergrundkirche. Die Erfahrungen mit Glauben(den), Zweifeln(den) und Nichtglauben(den) haben Tomas Halik geprägt: "Ein kritischer Atheismus kann naive religiöse Vorstellungen ein wenig bereinigen." Und: "Zu den Suchenden können wir nicht als Besitzer der Wahrheit kommen, mit ihnen müssen wir auch Suchende sein. Die Wahrheit ist ein Buch, das niemand von uns zu Ende gelesen hat."

Gemeinsam mit Anselm Grün hat Tomas Halik jüngst ein Buch vorgelegt: "Gott los werden? Wenn Glaube und Unglaube sich umarmen" (Vier-Türme-Verlag 2016). Darin schreiben sie, warum Zweifel und auch Unglaube dem Gläubigen wichtig sein können, um den Versuchungen von emotionalem Stillstand und Fundamentalismus gewachsen zu sein.


14.11.2016

Pater Anselm Grün und Prof. Tomás Halík am 22.November in Erfurt



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