Wiedereinweihung des Friedhofes der Erfurter Allerheiligenkirche

Vor historischen Grabdenkmälern wurde ein Karner für die Aschekapseln des Kolumbariums gebaut

Karnerfläche im Allerheiligengarten Erfurt
Karnerfläche im Allerheiligengarten

Erfurt (BiP).
Der Friedhof der Erfurter Allerheiligenkirche wird am Freitag, 1. April um 15 Uhr wieder eingeweiht. Auf dem Friedhof stehen seit gut zwei Jahren 22 sanierte historisch bedeutsame Grabdenkmäler aus dem Innenraum der Kirche. Außerdem wurde dort zuletzt ein Karner angelegt, der künftig die Aschekapseln aus dem Kolumbarium der Allerheiligenkirche aufnehmen soll. Damit ist diese Urnenbegräbnisstätte deutschlandweit das einzige Kolumbarium, wo die Asche Verstorbener auch nach Ablauf der Liege- bzw. Standzeit der Urnen verbleiben kann. Die Kirche inmitten der pulsierenden Altstadt wird mit seinem im Jahr 2007 eröffneten Kolumbarium wie in alten Zeiten wieder als Begräbnisstätte genutzt, in dessen Nutzungskonzept jetzt auch der anliegende Friedhof miteinbezogen ist.

Eigentlich ist ein Karner ein Beinhaus, wo Knochen Verstorbener aufbewahrt werden, weil deren Leichname bei Neubelegung von Erdgräbern noch nicht völlig verwest waren. Der Karner der Allerheiligenkirche wird dagegen nur die Kapseln mit der Asche Verstorbener enthalten, damit sie sich durch Erdkontakt zersetzen können. Im Inneren der Urnen, die im Kolumbarium der Allerheiligenkirche für 20 Jahre in Grabfächern stehen, findet ja keine Zersetzung statt. Der Karner gewährleistet somit nach Ablauf der Standzeit einen würdevollen Umgang mit den sterblichen Überresten.

Äußerlich handelt es sich bei dem neuen Karner um eine ebenerdige rechteckige Fläche auf dem Friedhof, die mit einer Kiesschicht bedeckt ist. Darunter befinden sich acht Erdschächte aus gelochten Betonringen, die die Aschekapseln aufnehmen. Wasserdurchlässige Edelstahlbleche decken die Betonringe nach oben ab, während nach unten Erdkontakt besteht. Der Karner bietet Raum für über 1.000 Aschekapseln. In den Kolumbarien der Allerheiligenkirche und der dazu gehörigen Magdalenenkapelle gibt es insgesamt 1.050 Urnenfächer.

Seit gut einem Jahr finden die Bestattungen in beiden Kolumbarien nur noch unter Verwendung biologisch abbaubarer Aschekapseln statt, deren Material im Karner innerhalb von zwei Jahren verrottet. Bei den zuvor benutzen Weißblechkapseln dauert der gleiche Vorgang mindestens zehn Jahre. Damit der Karner eingerichtet werden konnte, musste für das zuständige Landesverwaltungsamt in Weimar zuerst erfolgreich der Nachweis geführt werden, dass menschliche Asche weder Grundwasser und Erdreich noch die umliegenden Gebäude durch Absonderung von Nitraten schadet. Planung und Bauleitung des neuen Karners erfolgten durch Bau-Ingenieurin Christel Zschiegner vom Erfurter Dombauamt.

Die auf dem Friedhof aufgestellten Denkmäler entstanden bis auf einen Grabstein des Jahres 1723 zwischen 1382 und dem späten 16. Jahrhundert und stammen somit aus der Zeit, als die Allerheiligenkirche noch als Pfarrkirche genutzt wurde. Die ursprünglich für den Innenraum des Gotteshauses geschaffenen Kunstwerke waren trotz ihrer hohen künstlerischen Qualität in den späteren 1890er Jahren ins Freie des Kirchgartens verbracht und dort den Witterungsverhältnissen mehr oder minder ungeschützt ausgesetzt worden. Kunsthistoriker interessieren sich für die Steine besonders wegen ihrer Ikonographie. Aus allgemeiner historischer Sicht bilden die Objekte wichtige Zeugnisse der Stadt- und Universitätsgeschichte. Der Freistaat Thüringen hat darum die Sanierung mit 196.000 Euro gefördert.

Die Einweihung des neugestalteten Friedhofes durch Weihbischof Reinhard Hauke wird in Verbindung mit dem sogenannten Monatlichen Totengedenken begangen, das immer am ersten Freitag jedes Monats um 15 Uhr stattfindet. In der Allerheiligenkirche finden dann Menschen Zeit und Raum, um ihrer Angehörigen zu gedenken, deren Gräber es nicht mehr gibt oder die weit entfernt, an unbekanntem Ort oder – nach Krieg und Katastrophen – nicht bestattet sind. Christen wie Nichtchristen können dabei den Namen ihres Verstorbenen in ein kostbares Buch eintragen und so einen Bezugsort für ihre Trauer schaffen.

Informationen zum Kolumbarium der Allerheiligenkirche und zum Monatlichen Totengedenken:
www.bistum-erfurt.de/projekte

29.03.2016

Vor historischen Grabdenkmälern wurde ein Karner für die Aschekapseln des Kolumbariums gebaut



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