"Das Leiden der anderen darf uns nicht gleichgültig sein"

MISEREOR-Fastenaktion 2016 feierlich im Würzburger Dom eröffnet


Plakat der Fastenaktion von Misereor 2016. Landschaft mit Fluss und Schriftszug: Das Recht ströme wie Wasser


Würzburg.
Mit einem festlichen Gottesdienst ist am Sonntag (14.2.) im Würzburger Kiliansdom die 58. Fastenaktion von MISEREOR eröffnet worden. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto "Das Recht ströme wie Wasser" und widmet sich thematisch der Situation benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Brasilien. Bei zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland will das Werk für Entwicklungszusammenarbeit in der Fastenzeit auf die prekäre Lage von Menschen insbesondere in großen Städten des lateinamerikanischen Landes hinweisen. Millionen Menschen leiden dort unter Obdachlosigkeit und fehlender sanitärer Grundversorgung. Gleichzeitig macht MISEREOR auf die Bedrohung von Anwohnern des Rio Tapajós durch den geplanten Bau eines großen Staudamms aufmerksam. Ihre angestammte Heimat würde durch das Projekt überflutet. Gemeinsam mit Partnerorganisationen prangert das Hilfswerk die damit verbundene Verletzung elementarer Menschenrechte an.

Bis zum Ostersonntag sammelt MISEREOR in bundesweit mehr als 10.000 katholischen Pfarrgemeinden Spenden für seine Projekt- und Lobbyarbeit in Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Am 5. Sonntag der Fastenzeit, dem 13. März 2016, werden die Gläubigen in allen katholischen Gottesdiensten über die Arbeit von MISEREOR informiert und um Unterstützung gebeten. Die Fastenaktion von MISEREOR erbrachte im vergangenen Jahr mehr als 13 Millionen Euro.

Erstmals in seiner Geschichte richtet MISEREOR seine Fastenaktion nicht allein aus, sondern zusammen mit dem Rat der christlichen Kirchen in Brasilien (CONIC). Papst Franziskus würdigte die gemeinsame Aktion in einem Grußwort und rief zum Engagement für eine gerechtere Welt auf. "Ich bin überzeugt, dass der Reichtum christlicher Spiritualität einen wunderbaren Beitrag zu den Bemühungen um eine Neuorientierung des Menschen leisten kann", sagte das Kirchenoberhaupt.
 
Aufruf zur Selbstkritik

In seiner Predigt mahnte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann die Europäer, auch die eigene Rolle kritisch in den Blick zu nehmen. "Aus politischen und wirtschaftlichen Interessen ist anderen Völkern gegenüber viel Unrecht geschehen und geschieht zum Teil immer noch - Unrecht, das auch für die instabilen Verhältnisse in Afrika, Südamerika und im Nahen Osten verantwortlich ist." Und er ergänzte:
"Der Griff nach Rohstoffen und die Sicherung des eigenen Wohlstands standen im Vordergrund - die Würde, die Kultur und das Wohl der Bewohner dieser Länder wurden dabei nicht selten missachtet."
Der frühere Bischof von Xingu am Amazonas, Erwin Kräutler, kritisierte scharf die rücksichtslosen Methoden vieler Unternehmen in Brasilien: "Multinationale Konzerne haben es längst auf die Ausbeutung der Naturreichtümer abgesehen, meist unter Missachtung von Umwelt- und Sozialstandards. Dazu kommt der Bau von Dutzenden Wasserkraftwerken, ohne dass sich die Bauunternehmen um Konsequenzen für die Menschen und ihre Mitwelt kümmern."
Der Hauptgeschäftsführer von MISEREOR, Pirmin Spiegel, eröffnete im Gottesdienst die Fastenaktion 2016. Er betonte: "Die Klage gegen Unrecht und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit entspringen einer Haltung, der das Leiden der anderen nicht gleichgültig ist. Es ist die Grundhaltung Gottes gegenüber den Menschen, gerade gegenüber den Armgemachten, den Benachteiligten und allen, die um ihr Recht gebracht und um ihr Leben in Würde betrogen werden."

Bei einem Empfang im Anschluss an den Gottesdienst lobte Michael Fiebig vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Arbeit von MISEREOR. "Kirchliche Organisationen sind in der Entwicklungsarbeit oft viel näher und unmittelbarer an den Menschen, besonders den Armen, als staatliche Institutionen es leisten könnten. Daher sind sie für uns ganz wichtige Partner."

Pressemitteilung des katholischen Hilfswerks Misereor. Den Inhalt verantwortet der Absender.

17.02.2016



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