Kirchliches Vermögen für den Dienst an den Menschen

Das Bistum Erfurt veröffentlicht erstmals seinen Finanzbericht


Vorstellung Finanzbericht des Bistums Erfurt 2014
Präsentierten den Jahresbericht des Bistums Erfurt 2014: (v.l.) Dompropst Gregor Arndt, Generalvikar Raimund Beck, Finanzreferentin Bettina Braun und Pater von Spee von der Villa Lampe

„Transparenz und Rechenschaft sind wichtige Anliegen", betonte Generalvikar Raimund Beck bei der Vorstellung des Finanzberichtes 2014. Zwei Drittel der Gesamtaufwendungen des Bistums flossen in Kirchengemeinden, Seelsorge, Caritas und Bildungsarbeit. Rücklagen sichern Pensionsansprüche und langfristige Verpflichtungen ab. Am Beispiel der Villa Lampe in Heiligenstadt wurde gezeigt, wie das Geld des Bistums „arbeitet". 
  


Erfurt (BiP). Erstmals legt das Bistum Erfurt einen umfassenden Jahresbericht vor. Auf Grundlage der geltenden handelsrechtlichen Vorschriften erstellt, weist dieser einen vollständigen Jahresabschluss für das Jahr 2014 mit Bilanz und Ergebnisrechnung aus. Daraus geht hervor, dass sich die Gesamtaufwendungen des Bistums Erfurt auf rund 46,2 Millionen Euro belaufen. Dem gegenüber stehen Gesamterträge von rund 69,2 Millionen Euro, so dass das Jahresergebnis positiv mit 23 Millionen Euro ausfällt. Insgesamt verfügt das Bistum über ein Vermögen von gut 323,5 Millionen Euro und sichert damit vor allem die pastorale und soziale Arbeit der Kirche.

Der Jahresbericht enthält zudem neben dem Jahresabschluss des Bistums auch die Abschlüsse des Bischöflichen Stuhls zu Erfurt sowie des Domkapitels als eigenständige Körperschaften öffentlichen Rechts.

Transparenz: Finanzen und Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit

„Mit der Vorlage des Jahresberichts zeigen wir, dass uns Transparenz und Rechenschaft besonders wichtige Anliegen sind“, sagt Raimund Beck, Generalvikar des Bistums Erfurt. „Das öffentliche Interesse an den Strukturen, der Verwendung und Aufsicht über das kirchliche Vermögen wird immer größer. Kirche ist aber kein Wirtschaftsunternehmen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, das Bistum verkauft keine Produkte und als Körperschaft öffentlichen Rechts sind wir nicht verpflichtet, unsere Zahlen offenzulegen. Dennoch betrachten wir diese Veröffentlichung als konsequenten Schritt“, so Beck weiter. Der Jahresbericht informiert nicht nur über die Vermögenssituation des Bistums, sondern gewährt darüber hinaus Einblicke in ausgewählte Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit im Jahr 2014.

Generalvikar: „Wir verstehen uns als ‚Kirche nah bei den Menschen’“

Hauptaufgabe der Kirche sei die seelsorgerische, soziale und kulturelle Arbeit, betont Beck. „Insbesondere die vielfältigen Aktivitäten der Caritas mit mehr als 50 Beratungsdiensten sind eine wichtige Säule unseres Wirkens. Damit ist die Kirche im Bistum Erfurt nicht nur für die rund 151.000 Katholiken im Bistum da, sondern dient auch allen anderen Menschen in Thüringen. Wir verstehen uns als ‚Kirche nah bei den Menschen‘ – hierfür sollen die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel eingesetzt werden.“

„Betrachtet man die Gesamtaufwendungen des Bistums nach Aufgabenbereichen, zeigt sich, dass 38 Prozent aller Ausgaben 2014 in die Kirchengemeinden flossen, knapp ein Drittel in die pastorale Arbeit, Caritas sowie Schulen und Bildungsarbeit“, ergänzt Bettina Braun, Leiterin der Finanzabteilung im Bischöflichen Ordinariat. Neben den Kirchensteuern in Höhe von rund 28,6 Millionen Euro ist der Strukturbeitrag mit 20,2 Millionen Euro, den das Bistum als Finanzhilfe von den westdeutschen Bistümern erhält die zweitgrößte Einnahmeposition. Weiterhin zählen öffentliche Zuschüsse des Freistaates Thüringen mit insgesamt 8,9 Millionen Euro, kirchliche Zuschüsse wie die Unterstützung durch das Paderborner Diaspora-Hilfswerk „Bonifatiuswerk“ mit 360.000 Euro sowie Spenden und Kollekten zu den Einnahmequellen des Bistums. Größter Aufwandsposten waren 2014 die Personalkosten sowie Zuweisungen an die Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen, Schulen und an die Caritas.

Ausgabenseite nach Aufgabenfeldern
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Bistumsanlagen und finanzielle Mittel für Bildung: Beispiel Villa Lampe


Zugute kommen die Bistumsanlagen und Mittel etwa der Jugendeinrichtung Villa Lampe in Heiligenstadt. Seit 25 Jahren ist sie ein Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche. Freizeitgestaltung ist dabei nur ein Aspekt: „Es geht uns vor allem darum, Lebenswege zu gestalten“, erklärt Pater Meinolf von Spee, Leiter der Villa Lampe. „Die Villa Lampe ist ein Netzwerk der Jugendsozialarbeit, hier trifft man eine bunte Mischung an jungen Menschen, von Jugendlichen aus Behinderteneinrichtungen bis zu Studenten. Wir haben hier eine vertrauensvolle Plattform für Jugendliche aufgebaut, die Fragen oder Probleme haben, Hilfe suchen.“ Neben der Vielfalt von Nutzern ist die Villa Lampe aber auch Anlaufstelle: Der Jugendmigrationsdienst Nordthüringen ist nur eines dieser Angebote, hinzu kommen der Kinder- und Jugendschutzdienst oder die Schulsozialarbeit.

Sorgsamer Umgang: Rücklagen für Pensionsansprüche und langfristiges Wirken  

Von zentraler Bedeutung für die Bistumsfinanzen ist das Eigenkapital. „Da wir als Bistum mit unserer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften, müssen wir unsere Ausgaben aus den Einnahmen finanzieren und, wenn möglich, Vorsorge für die nächsten Jahre treffen“, so Finanzreferentin Bettina Braun. Die Rücklagen im Bistum sind allerdings nicht frei verfügbar. Im Wesentlichen dienen sie dazu, bestehende Verpflichtungen langfristig abzusichern. Neben dem Bistumskapital in Höhe von 57,9 Millionen Euro zählen Rücklagen mit 152,5 Millionen Euro zum Eigenkapital. „Das klingt zunächst einmal viel. Allerdings decken allein davon 58,5 Millionen Euro die Pensionsansprüche von 160 Versorgungsanwärtern und -empfängern im Bistum. Wir sind verpflichtet zu einem sorgsamen Umgang mit den verfügbaren finanziellen Ressourcen und insbesondere zu einem angemessenen, nachhaltigen Wirtschaften mit diesen Geldern“, ergänzt Bettina Braun.  

Erfurter Domkirche als Kulturgut und Ort christlichen Glaubens langfristig erhalten

Genauso wie das Bistum sind auch das Domkapitel und der Bischöfliche Stuhl zu Erfurt Körperschaften des öffentlichen Rechts mit eigenen Jahresabschlüssen, die im vorgelegten Bericht Beachtung finden. Acht Priester bilden das 1995 errichtete Domkapitel, das als wichtiges Beratungsgremium des Bischofs und der Bistumsleitung fungiert. Daneben gehört die Sorge um die Erfurter Domkirche St. Marien einschließlich Pflege, Instandhaltung und Verwaltung zur Hauptaufgabe des Domkapitels. „Die dem Domkapitel zur Verfügung stehenden Mittel und die gebildeten Rücklagen sollen vor allem den Dom und seine Kunstschätze auf Dauer erhalten, das gottesdienstliche Leben am Dom gestalten und den Dom als Kulturgut erlebbar machen“, betont Dompropst Gregor Arndt. „Rund eine halbe Million Touristen besuchen uns jährlich, das ist eine beachtliche Leistung. Unser Ziel ist es, allen Besuchern und Gemeindemitgliedern hier ein qualitativ hohes kulturelles Niveau zu bieten.“ Für 2014 weist das Domkapitel ein positives Jahresergebnis von rund 323.000 Euro aus und baut damit für künftige Zeiten vor, in denen Drittmittel, die heute etwa für Restaurierungsmaßnahmen oder Kirchenmusik noch fließen, zunehmend geringer ausfallen werden.

Mittel des Bischöflichen Stuhls als „eiserne Reserve für kommende Jahre“

Ein Großteil der Mittel aus dem Bischöflichen Stuhl stellt ebenfalls eine Reserve dar. Ihre Notwendigkeit ergibt sich aus den bereits absehbaren Mindereinnahmen der kommenden Jahre und der zu erwartenden Kostensteigerungen. Zum Stichtag 31.12.2014 weist der Bischöfliche Stuhl zu Erfurt einen Besitz von rund 78,2 Millionen Euro aus. „Wir betrachten das Vermögen des Bischöflichen Stuhls als ‚eiserne Reserve’ für die kommenden Jahrzehnte“, sagt Generalvikar Beck, der den Bischof bei der Verwaltung des Bischöflichen Stuhls vertritt. Errichtet wurde der Bischöfliche Stuhl als Körperschaft öffentlichen Rechts mit der Gründung des Bistums Erfurt 1994. Seine Aufgabe ist es insbesondere, die geordnete Durchführung von Gottesdiensten zu gewährleisten, für einen angemessenen Unterhalt von Klerikern und Kirchenmitarbeitern zu sorgen sowie die Aufgaben der Caritas und damit die soziale Arbeit der Kirche abzusichern. Ein Blick in die Geschichte macht den Besitz des Bischöflichen Stuhls deutlich: Bei Neugründung des Bistums Erfurt 1994 übertrugen die Bistümer Fulda und Würzburg Immobilien und damit verbundene Mittel, die nun zum Erfurter Territorium gehörten, auf den Bischöflichen Stuhl in Erfurt. Zusätzlich wurden bis 2003 Mittel aus Überschüssen des Bistumshaushaltes übertragen, um die finanzielle Ausstattung des Bischöflichen Stuhls aufzubauen.

Kontrollgremien der Bistumsfinanzen

Die wichtigsten Kontrollgremien sowohl der Bistumsfinanzen als auch der Finanzen des Bischöflichen Stuhls sind der Diözesanvermögensverwaltungsrat und der Kirchensteuerrat. Mitglieder des Diözesanvermögensverwaltungsrates sind „der Generalvikar und drei bis fünf vom Bischof berufene Gläubige, die in wirtschaftlichen Fragen und im weltlichen Recht erfahren sind.“ (§ 2 Nr. 1, Satzung des Diözesanvermögensverwaltungsrates im Bistum Erfurt). Aufgabe des Diözesanvermögensrates ist die Unterstützung des Bischofs bei der Beaufsichtigung und Verwaltung des Bistumsvermögens und des Vermögens des Bischöflichen Stuhls. Der Kirchensteuerrat besteht aus dem Generalvikar, der Justiziarin und der Finanzreferentin sowie fünf gewählten Mitgliedern. Aufgabe ist unter anderem seine Mitwirkung bei der Feststellung des Haushaltsplanes und der Jahresrechnung von Bistum und Bischöflichem Stuhl.

Jahresbericht 2014 nach Vorgaben des Handelsgesetzbuches erstellt

Der vorgelegte Jahresabschluss mit Bilanz und Ergebnisrechnung für das Jahr 2014 orientiert sich an den Vorgaben aus dem Wirtschaftsleben. Er wurde nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB) erstellt und von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Nunmehr soll regelmäßig öffentlich in Form eines Geschäftsberichtes über die Bilanzen und inhaltlichen Schwerpunkte sowie Projekte im Bistum informiert werden.

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9.12.2015

 



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