"Braucht’s noch Friedhöfe?"

Eine Veranstaltung über die sich ändernde Bestattungskultur mit einer Führung über den Erfurter Hauptfriedhof und anschließender Podiumsdikussion


Frisches Grab


Erfurt (BiP/km).
Als erstes Bundesland erlaubt Bremen seit Beginn dieses Jahres, die Asche von Angehörigen auch im heimischen Garten zu verstreuen. Ist das eine positive Entwicklung oder das Ende einer jahrhundertealten Bestattungskultur? Dieser Frage geht eine Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 9. Juni auf dem Erfurter Hauptfriedhof nach, zu der die Erfurter Bistumsakademie "Katholisches Forum", die Evangelische Stadtakademie "Meister Eckhart" sowie das Garten- und Friedhofsamt der Stadt Erfurt einladen.

"Nach meinem Tod soll meine Asche unter dem großen Lindenbaum verstreut werden, da, wo ich immer so gern saß." Ein solcher letzter Wille im Testament eines Verstorbenen kann derzeit in den meisten Teilen Deutschlands und auch hier in Thüringen nicht erfüllt werden. Der sogenannte Friedhofszwang erlaubt eine Bestattung außerhalb von Friedhöfen nicht. Einzig im Land Bremen ist es seit Jahresbeginn möglich, die Urne ausgehändigt zu bekommen, um die Asche des Toten an einem bestimmten Ort zu verstreuen. In mehreren Bundesländern hat es ähnliche Vorstöße gegeben, die teilweise sogar vorsahen, die Urne auch zuhause aufbewahren zu können, um sie beispielsweise erst dann beizusetzen, wenn der hinterbliebene Ehepartner seinen künftigen Wohnort festgelegt hat.

Kritiker befürchten, dass sich damit die Friedhofskultur verändert und Tod und Sterben noch weiter aus der Öffentlichkeit verdrängt werden, als das bisher schon zu beobachten ist. Wo gibt es dann überhaupt noch einen geschützten Raum zum Trauern? Könnte damit nicht auch der würdevolle Umgang mit den Toten gefährdet sein? – Befürworter hingegen unterstreichen die individuelle Entscheidungsfreiheit des Menschen auch über den Tod hinaus. Der Gesetzgeber sollte nicht darüber bestimmen dürfen, wo und wie die Asche eines Verstorbenen aufzubewahren ist.

Grund genug, sich mit der Frage des Friedhofszwangs einmal genauer zu beschäftigen.

Die Veranstaltung auf dem Hauptfriedhof beginnt um 17 Uhr am Haupteingang (Binderslebener Landstraße 75) mit einer Führung, die von Jens Kratzing, Abteilungsleiter Friedhofs- und Bestattungswesen bei der Stadtverwaltung Erfurt, geleitet wird. Danach findet ab 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema statt. Es sprechen Prof. Dr. Rainer Sörries, Direktor des Zentralinstituts und Museums für Sepulkralkultur in Kassel, und die ehemalige niedersächsische Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold, die sich langjährig für eine Aufhebung des Friedhofszwangs in Niedersachsen eingesetzt hat.

Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind herzlich willkommen.


03.06.2015



Impressum | Sitemap | Kontakt
powered by St. Benno-Verlag