Ein Brief zum 70. Todestag von Marcel Callo

Erfurter Bischof würdigt den französischen Märtyrer, der während der NS-Diktatur Zwangsarbeiter in Thüringen war

Porträt-Gemälde: Marcel CalloErfurt (BiP). Anlässlich des 70. Todestages von Marcel Callo am 19. März hat der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr einen Brief an dessen Heimatbistum Rennes geschrieben. 1943 war der 21-jährige Franzose als Zwangsarbeiter der nationalsozialistischen Diktatur nach Thüringen gekommen und wurde zwei Jahre später wegen des Einsatzes für seine Leidensgenossen verhaftet und schließlich ins Konzentrationslager Mauthausen nach Österreich gebracht. Hier starb er im März 1945 nach Misshandlungen an Tuberkulose und Ruhr. „Gerade in diesen Tagen fühlen wir uns besonders verbunden mit den katholischen Christen Ihres Erzbistums, in dem der Selige Marcel Callo geboren wurde und aufgewachsen ist“, heißt es in dem Schreiben Neymeyrs an Erzbischof Pierre d´Ornellas und die Katholiken von Rennes. 1987 sprach Papst Johannes Paul II. Marcel Callo als Märtyrer selig und wies ihn damit als Glaubensvorbild aus. Im Bistum Erfurt ist das Jugend- und Erwachsenenbildungshaus in Heilbad Heiligenstadt nach ihm benannt.

Marcel Callo im Gefängnis in Gotha: Szene gemalt von Jugendlichen im Marcel-Callo-Haus in Heilbad Heiligenstadt
Im Gefängnis war es den Gefangenen nicht erlaubt, ein Kreuz aufzuhängen. Marcel Callo und seine Kameraden banden eines aus Blumen, um davor zu beten und Gottesdienst zu feiern. Diese Szene haben Jugendliche eines Kurses im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt gemalt.

Der gelernte Buchdrucker hätte sich der Zwangsarbeit vielleicht durch Untertauchen entziehen können, so wie viele andere, denen er selbst dabei geholfen hatte, doch stattdessen folgte er dem widerrechtlichen Einsatzbefehl und kam so nach Zella-Mehlis. Eine bewusste Entscheidung, wie Callo, der sich zuvor schon in der Christlichen Arbeiterjugend für Jugendliche engagiert hatte, gegenüber seinen Verwandten erklärte: „Ich gehe nicht als Arbeiter dorthin, ich fahre als Missionar.“ Der junge Mann wollte den anderen Zwangsarbeitern helfen durchzuhalten. Dazu trieb er mit ihnen nach den Arbeitseinsätzen Sport, spielte Theater und feierte Gottesdienste. Den Nazis war Marcel Callo damit „zu katholisch“, die Geheime Staatspolizei inhaftierte ihn. Für „das Lebenszeugnis, das der Selige Marcel Callo gemeinsam mit seinen Gefährten für den christlichen Glauben in dieser dunklen Zeit der Verletzung der Menschenwürde gegeben hat“, sei man im Bistum Erfurt heute noch dankbar, schreibt Bischof Neymeyr. Marcel Callo habe damals seine Gefährten bestärkt und die Machthaber verunsichert. Bis heute spreche sein Zeugnis Christen und Nichtchristen an, die von diesem jungen und mutigen Mann hörten, so der Erfurter Bischof in seinem Brief, der von der Leiterin des Heiligenstädter Marcel-Callo-Hauses, Annegret Beck, mitunterzeichnet ist.

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Erfurter Bischof würdigt den französischen Märtyrer, der während der NS-Diktatur Zwangsarbeiter in Thüringen war



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