Religion als Resonanzversprechen?

Welche Funktionen erfüllen Religionen in modernen Gesellschaften? Damit beschäftigt sich eine Podiumsdiskussion in Erfurt.

Logo: Katholisches ForumErfurt. Am Donnerstag, 15. Januar findet eine Podiumsdiskussion zum Thema Religion und Gesellschaft statt. Ort der Veranstaltung ist die Begegnungsstätte Kleine Synagoge Erfurt, An der Stadtmünze 4-5. Sie beginnt um 18 Uhr.

Braucht die moderne Gesellschaft Religion? Kann man sich seine Religion selber machen? Wellnessoase Religion in der beschleunigten Welt? Antwortet Gott? Heiliger Krieg als Selbstwerdungsprozess? Dies sind nur einige der Fragen, denen sich das Max-Weber-Kolleg aus wissenschaftlicher Perspektive einerseits und in Auseinandersetzung mit religiösen Experten andererseits stellen will. Damit soll eine öffentliche Diskussion und Reflexion über Fragen, die viele Menschen in heutigen Gesellschaften umtreiben, ermöglicht werden. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion soll zunächst in zwei Impulsreferaten die Funktion von Religionen beleuchtet werden. Prof. Dr. Jörg Rüpke wird aus religionshistorischer Perspektive die Rolle von religiösen Ritualen für den Zusammenhalt und die Identitätsbildung von Gesellschaften am Beispiel der Antike aufzeigen. Prof. Dr. Hartmut Rosa analysiert dann aus soziologischer Perspektive die individuellen und kollektiven "Resonanzbedürfnisse" und die möglichen Antworten aus dem Bereich der Religion darauf in modernen beschleunigten Gesellschaften. Vor diesem Hintergrund sollen anschließend Religionsexperten nach ihrem Verständnis von der Funktion von Religionen in modernen Gesellschaften gefragt werden und danach, wie Religionen den Bedürfnissen der modernen Welt entgegenkommen und zu welchem Preis bzw. mit welchen Konsequenzen.

Moderation: Daniel Deckers (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Es diskutieren:

RABEYA MÜLLER (Islamwissenschaftlerin, Köln) Rabeya Müller studierte Pädagogik, Islamwissenschaften, Ethnologie und Islamische Theologie und war danach vor allem im Bereich der Religionspädagogik tätig. Sie leitete viele Jahre in Köln das Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD). Rabeya Müller hat zahlreiche Studien verfasst, u.a. über den Islam und die Frauen, über Islam und Behinderte oder über Muslime in Deutschland, entwickelte Unterrichtsmaterialien und Curricula und arbeitete zu interreligiösen und interkulturellen Bildungstheorien. Rabaya Müller engagiert sich u.a. im Zentrum für islamische Frauenforschung und Frauenförderung, bei Interreligiones (Forum für interreligiöse Bildung), bei der World Conference of Religions for Peace sowie im Liberal-islamischen Bund. Darüber hinaus ist Müller Imamin bei der Muslimischen Gemeinde Rheinland (MGR).

INKEN PROHL (Religionswissenschaftlerin, Heidelberg):
Inken Prohl studierte Japanologie und Religionswissenschaft in Berlin und Tokio und promovierte 1999 mit der religionswissenschaftlichen Studie "Die ‚spirituellen Intellektuellen’ und das New Age in Japan". Seit dem Jahr 2006 forscht und lehrt sie als Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Zuvor absolvierte Inken Prohl mehrjährige Forschungsaufenthalte in Japan, wo sie sich mit dem Wandel des Buddhismus in der Gegenwart beschäftigte. Die Schwerpunkte ihrer Forschung liegen vor allem auf Modernem Buddhismus sowie auf Materialer Religion. Im Sonderforschungsbereich "Ritualdynamik" leitete sie ein Projekt zu Transformationen Zen-buddhistischer Rituale in Japan und Deutschland. Seit 2011 ist sie Leiterin des Integrierten Graduiertenkollegs "Text-Anthropologie" des Sonderforschungsbereiches "Materiale Textkulturen".


HARTMUT ROSA (Soziologe und Direktor des Max-Weber-Kollegs, Erfurt):
Hartmut Rosa studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Freiburg (Breisgau) und wurde mit der Arbeit "Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor" 1997 an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Seit 2002 ist er Gastprofessor an der New School University. Er habilitierte sich 2004 sich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit der Studie "Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne". Seit 2005 ist Rosa dort Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie. Rosa erhielt 2006 den Forschungspreis für Grundlagenforschung des Landes Thüringen. Hartmut Rosa ist Sprecher der DFG-geförderten Kollegforschergruppe "Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung (Postwachstumsgesellschaft)"an der Universität Jena. Im September 2013 begleitete er den Bundespräsidenten als Staatsgast auf dessen Frankreichreise. Seit Oktober 2013 ist Rosa Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt.

JÖRG RÜPKE (Religionswissenschaftler und stellvertr. Direktor des Max-Weber-Kollegs, Erfurt):
Nach dem Studium der Religionswissenschaft, Klassischen Philologie und Theologie an den Universitäten Bonn, Lancaster und Tübingen wurde Jörg Rüpke 1990 an der Universität Tübingen promoviert. Dort habilitierte er sich 1994. Von 1995 bis 1999 war er Professor für Klassische Philologie an der Universität Potsdam. Seit 1999 ist Rüpke Inhaber der Professur für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Erfurt. Seit 2008 ist er Sprecher der DFG-Kollegforschergruppe "Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive" und Fellow für Religionswissenschaft am Max-Weber-Kolleg sowie Sprecher der Graduiertenschule "Religion in Modernisierungsprozessen". Seit dem Wintersemester 2013/14 ist er zugleich stellvertretender Leiter des Max-Weber-Kollegs. An der Universität Aarhus ist Rüpke seit 2011 Honorarprofessor. Im selben Jahr wurde ihm ein Advanced Grant des European Research Council zuerkannt. Er erhielt 2012 den Thüringer Forschungspreis für Grundlagenforschung. Im Januar 2012 wurde Jörg Rüpke vom Bundespräsidenten in den Wissenschaftsrat berufen und ist seit 2013 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften.

HUBERTUS SCHÖNEMANN (Leiter der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral, Erfurt):
Nach theologischen Studien in Freiburg, Rom und Jerusalem arbeitete Hubertus Schönemann als Pastoralreferent in Gemeindeseelsorge, Erwachsenenbildung und Dekanat in Hamburg und Goslar, schließlich als Hochschulseelsorger in Braunschweig. Daneben promovierte er an der Universität Osnabrück über biblische Texte der Anklage Gottes ("Der untreue Gott und sein treues Volk"). Er beschäftigt sich mit Grundfragen der Glaubensverkündigung und -kommunikation und der biblischen Hermeneutik. Sein Anliegen ist es, dass die Kirche profilierter und einladender wird und sich mutiger auf den Dialog mit der Gesellschaft und den Menschen einlässt.

Die Podiumsdiskussion wird veranstaltet vom Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt in Zusammenarbeit mit: Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen (EEBT) & Katholisches Forum im Land Thüringen / Akademie des Bistums Erfurt.

13.1.2015



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