Gesellschaft braucht die Stimme der Kirchen

Kirche kann sich mit Selbstbewusstsein einbringen und Orientierung geben, denn sie verkündet die Frohe Botschaft, so die Ministerpräsidentin.


Ministerpräsidentin Lieberknecht bei ihrem Grußwort


Eminenz,
Exzellenzen,
sehr geehrte Frau Landesbischöfin Junkermann,
liebe Mitchristen des Bistums Erfurt und aller Konfessionen,
meine sehr verehrten Damen und Herren aus Kirche, Staat und Gesellschaft!

Und vor allem: Verehrter Herr Bischof Dr. Neymeyr!
Die katholischen Christen in Thüringen spielen – nicht allein im Eichsfeld – eine wichtige Rolle in Thüringen. Sie prägen das gesellschaftliche Leben mit. Die Kirchen insgesamt, die katholische wie die evangelischen, engagieren sich im Sozialwesen und in der Bildung: als Träger von Krankenhäusern, Beratungseinrichtungen, Pflegeheimen, Schulen, Kindergärten und unter anderem auch die Theologische Fakultät hier in Erfurt.

Vor wenigen Tagen wurde der Soziologe und Religionsphilosoph Tomas Halik von dieser Theologischen Fakultät der Universität Erfurt ehrenhalber promoviert. Halik wurde 1978 vom damaligen Bischof Aufderbeck – heimlich – zum Priester geweiht. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs wirkte er in der Untergrundkirche in der Tschechoslowakei. Tomas Halik bemerkt – ich zitiere:
"Nun ist der Glaube an einen Gott, der Liebe und eine Gemeinschaft des Teilens verkörpert […] eine moralische Festlegung mit offensichtlichen kulturellen und politischen Implikationen. Es ist die Festlegung, die Pluralität unserer Welt zu akzeptieren und sich beständig darum zu kümmern, sie in eine Kultur der Kommunikation, des Teilens und der wechselseitigen Bereicherung zu überführen."(1)

Sehr geehrter Herr Bischof Neymeyr, eine Kultur der Kommunikation, des Teilens und der wechselseitigen – ich möchte hinzufügen – geistigen Bereicherung: Das sind wichtige Aufgaben, die die Kirchen heute in unserer säkularisierten Gesellschaft wahrnehmen.
Dazu zähle ich auch, zu den drängenden Fragen der Zeit Stellung zu nehmen: Was ist eine gerechte Gesellschaft? Wie befördern wir die Toleranz in unserer Gesellschaft? Wie gestalten wir eine lebendige Willkommenskultur – auch und besonders für die Flüchtlinge, die aus aller Welt nach Europa strömen?
Es sind Fragen nach dem inneren Rüstzeug in unserer globalisierten Welt, nach klaren Koordinaten in einer Zeit fundamentaler Umbrüche. Hier Stellung zu beziehen, sich einzumischen, sinnstiftend zu wirken, Orientierung zu geben – klangvoll und klar wie die Gloriosa: Das ist es, was die großen christlichen Konfessionen für und in unserer Gesellschaft leisten können.
Auch die säkulare, plurale, freie Gesellschaft braucht die Stimme der Kirchen, sie braucht ihr Engagement. Ich meine auch: Sie kann sich mit Selbstbewusstsein einbringen und äußern. Denn sie verkündet eine Frohe Botschaft.

Gemeinsam mit dem von uns allen verehrten Bischof Dr. Wanke, mit den Menschen in Thüringen, freue ich mich, dass das Bistum Erfurt mit Ihnen eine neue Stimme erhält. Zugleich danke ich Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, der während der Sedisvakanz diese Stimme vernehmbar erhoben hat.
Ich wünschen Ihnen für Ihre künftige Aufgabe viel Erfolg und Gottes Segen!

(1) Tomas Halik, "Die Zukunft des Glaubens", Namensartikel in "Die Welt", 31. Mai 2014.

Das Grußwort wurde den Medien vorab zur Verfügung gestellt. Es gilt das gesprochene Wort!
 
22.11.2014

Kirche kann sich mit Selbstbewusstsein einbringen und Orientierung geben, denn sie verkündet die Frohe Botschaft, so die Ministerpräsidentin.



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