Überlange Vakanz ist nun vorbei

In seinem Grußwort dankt der stellvertretende Vorsitzende der DBK, Bischof Norbert Trelle, Weihbischof Reinhard Hauke. Er habe das Bistum in den letzten zwei Jahren mit großer Umsicht und unermüdlichem Engagement geleitet.


Bischof Trelle bei seiner Ansprache im Erfurter Dom


Endlich! Endlich, wird mancher von Ihnen, liebe Gläubige, hier im Dom zu Erfurt gedacht haben, als nach langer Vakanz Ihr neuer Bischof ernannt wurde. Seit über zwei Jahren war der Bischöfliche Stuhl von Erfurt verwaist, jetzt hat das Bistum einen neuen Bischof. Dass Papst Franziskus Weihbischof Ulrich Neymeyr aus dem Bistum Mainz für Erfurt ernannt hat, zeigt: Das Rad der Kirchengeschichte dreht sich – im wahrsten Sinne des Wortes – weiter. Zum Wappen des Bistums Erfurt gehört das Mainzer Rad, das auch dort im Bischofswappen zu finden ist. So wird es Dir, lieber Mitbruder Ulrich, nicht schwer fallen, von Mainz – zu dessen Territorium Erfurt einst gehörte – hierher zu wechseln. Das Rad in den Bischofswappen von Mainz und Erfurt mag für Dich eine schöne Erinnerung an die Heimat sein und es kann auch zum Auftrag werden: Das Rad der Kirche in ihrem Leben und Wirken für die Gläubigen weiterzudrehen.

Mit Dir, lieber Ulrich, kommt ein geschätzter Seelsorger und eine Persönlichkeit mit reicher pastoraler Erfahrung in das Bistum Erfurt. Vieles ist hier von der Diaspora geprägt und doch lebt das Bistum Erfurt von einer reichen katholischen Tradition. Ich nenne das Eichsfeld, das heute mit vielen Vertretern hier im Dom zugegen ist, ich nenne aber auch die zahlreichen lebendigen Gemeinden, die Du in Deinem neuen Bistum vorfinden wirst. Wir alle denken in dieser Stunde dankbar an den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Eichsfeld zurück, der für die Region, vor allem aber für alle Gläubigen eine bis heute fortwirkende Bereicherung ist.
Und natürlich denken wir an den Besuch von Papst Benedikt XVI. hier im Dom zu Erfurt und im Augustinerkloster. Der Heilige Vater hat damals Geschichte geschrieben, als er sich in dieser Stadt mit Vertretern der evangelischen Kirche zum Gespräch traf. Lieber Ulrich, gerade in den kommenden Jahren werden wichtige Orte des reformatorischen Gedenkens in Deinem Bistum eine große Rolle spielen. Ich ermutige Dich dazu beizutragen, dass die ökumenischen Impulse, die hier insbesondere von Papst Benedikt XVI. gesetzt wurden, weiter reiche Frucht bringen. Erfurt bietet sich dafür in besonderer Weise an – was sich auch in den zahlreichen Vertretern der Ökumene im heutigen Gottesdienst zeigt.

Liebe Gläubige, Bischof Ulrich Neymeyr ist ein geschätzter Mitbruder in unserer Bischofskonferenz, der er bereits seit über einem Jahrzehnt angehört. Mit großem Geschick und sympathischem Einfühlungsvermögen engagiert er sich, sei es in der Jugendkommission oder in der Publizistischen Kommission. Und wenn der Bischof einmal der Sitzungen überdrüssig oder der Auffassung ist, genug von Gremien und Beratungen zu haben, trifft man ihn oft mit Jugendlichen, denen er zuhört und mit denen er das Gespräch sucht. Orte solcher Gespräche sollen im Übrigen – das sei hier schon einmal verraten – gerne auch Eisdielen sein, wie man in Mainz und vor allem Rom erzählt.

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, einen von Herzen kommenden Dank dem bisherigen Diözesanadministrator des Bistums Erfurt auszusprechen: Du, lieber Mitbruder Weihbischof Reinhard Hauke, bist in diesen Tagen vor neun Jahren zum Weihbischof im Bistum Erfurt geweiht worden. Mit großer Umsicht und unermüdlichem Engagement hast Du das Bistum in der Zeit der Sedisvakanz geleitet. Für diesen Einsatz sagen Dir die deutschen Bischöfe in dieser Stunde einen aufrichtigen Dank!
An diesem Vormittag, an dem sich das – Mainzer – Rad weiterdreht, sei noch ein herzlicher Dank ausgesprochen an Dich, lieber Bischof Joachim Wanke. Du warst der erste Bischof des noch jungen Bistums Erfurt und hast bereits davor, in der Zeit vor dem Mauerfall, als Apostolischer Administrator von Erfurt Verantwortung für die Kirche getragen. Deine Erfahrungen in der DDR waren prägend und oft hast Du uns davon in der Bischofskonferenz berichtet. Trotz des politischen Drucks hast Du Dich nie unter Druck setzen lassen und den Gläubigen Mut gemacht. Davon spricht man noch heute im Bistum Erfurt und weit über die Grenzen des Bistums hinaus. Dafür danken wir Dir von Herzen!

Liebe Mitchristen, lieber Ulrich! Heute liegen Mainz und Erfurt besonders dicht beieinander. Mit dem Ende der überlangen Vakanz im Bistum beginnt jetzt Dein Dienst. Lass Deine ansteckende Lebensfreude und Fröhlichkeit auf die Gläubigen Deines Bistums überspringen. So wird lebendig, was Du in Deinem bischöflichen Wahlspruch ausdrückst: "Christus hat uns angenommen" (Röm 15,7). Darum, liebe Mitchristen geht es: Wir dürfen uns von Christus angenommen, geliebt und begleitet wissen. Dieses tiefe Vertrauen in Christus drückt aus, wovon Bischof Ulrich lebt. Das wünsche ich Ihnen allen: Fühlen Sie sich in dieser Stunde und über diesen Tag hinaus von Christus angenommen. Und nehmen Sie in gleichem Maß Ihren Bischof als Ihren Hirten der Kirche von Erfurt an.

Das Grußwort wurde den Medien vorab zur Verfügung gestellt. Es gilt das gesprochene Wort!

22.11.2014



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