Verwurzelt-Sein in Gott schenkt die nötige Gelassenheit

Denn sie verweise auf den Herrn, so der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort


Erzbischof Becker aus Paderborn spricht sein Grußwort im Erfurter Dom


Gern bin ich als Metropolit der Paderborner Kirchenprovinz an diesem Vormittag nach Erfurt gekommen, um an der Amtseinführung des neuen Bischofs Dr. Ulrich Neymeyr teilzunehmen. Wir durften miteinander erleben, wie der neue Bischof auf der Kathedra Platz genommen und so dem versammelten Volk Gottes gezeigt hat, nun die Verantwortung für die Verkündigung des Glaubens in seiner Diözese voll übernommen zu haben. Damit stellt sich Bischof Dr. Neymeyr hinein in die Reihe derer, die vor ihm das Amt der Leitung innehatten. Der Blick in die Geschichte lässt mich unweigerlich an die gemeinsame Wegstrecke denken, die unsere beiden Bistümer Paderborn und Erfurt miteinander verbindet. Weite Teile Thüringens wie das Eichsfeld gehörten mehr als einhundert Jahre, von 1821 bis 1930, zur Diözese Paderborn. Und als es für den Bischof von Fulda, Oberhirte eines großen Teiles des heutigen Bistums Erfurt, infolge der politischen Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg immer schwieriger wurde, die Leitung im Ostteil seiner Diözese wahrzunehmen, setzte er einen Vertreter ein, der später Bischöflicher Kommissar wurde. Dieses Amt bekleideten – geschätzt und unvergessen bis heute – nacheinander die beiden Paderborner Priester Joseph Freusberg und Hugo Aufderbeck. Die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes, an die wir uns in diesen Tagen mit Freude und Dankbarkeit erinnern, brachte dann auch die Neuordnung der kirchlichen Landkarte mit sich. So gehört das Bistum Erfurt seit seiner Gründung im Jahr 1994 zur Kirchenprovinz Paderborn.

Liebe Schwestern und Brüder!

Für die heutige Amtseinführung von Bischof Dr. Neymeyr bietet der Erfurter Mariendom eine großartige Kulisse. Hoch erhebt er sich über dem Domplatz und zieht durch seine gotische Formsprache die zum Gottesdienst versammelten Menschen gleichsam in den Himmel, hin zur Erfahrung der Gegenwart Gottes. Im Bau aus Steinen drückt sich die Berufung der Kirche aus: Menschen hinzuführen zur Begegnung mit Gott. Diese Menschen werden Dir, lieber Bischof Ulrich, heute anvertraut: Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Senioren, Priester, Diakone und Ordensleute, Hauptberufliche und Ehrenamtliche – kurzum: das ganze Volk Gottes der Kirche von Erfurt, das – wahrlich lang genug – auf seinen neuen Bischof gewartet hat. Sie werden gern mit Dir, lieber Bischof Ulrich, zusammenarbeiten, beten und Liturgie feiern. Sie möchten in Dir durch die authentische Verkündigung des Evangeliums, die lebendige Feier der Sakramente und die entschiedene, umsichtige und den Menschen zugewandte Leitung den guten Hirten Jesus Christus erfahren.

Dazu wünsche ich Dir, lieber Bischof Ulrich, ein "hörendes Herz", das gleichermaßen auf den Ruf und Willen Gottes wie auch auf die Sorgen, Nöte und Freuden der Menschen hört. Das Verwurzelt-Sein in Gott schenkt die zum Amt nötige Gelassenheit, die Dir immer wieder sagt: Es ist im letzten der Herr selbst, der Dich und Dein Bistum führt und begleitet. Diese Zusage möchte Dich in dieser festlichen Stunde mit Freude und Dank erfüllen, Dich aber auch in guter Weise entlasten und Dir Mut und Tatkraft für den Weg in die Zukunft schenken. Der Segen Gottes wird Dich dabei stets begleiten! Ad multos annos!

Das Grußwort wurde den Medien vorab zur Verfügung gestellt. Es gilt das gesprochene Wort!

22.11.2014

Denn sie verweise auf den Herrn, so der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort



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