"Sie dürfen sich über Ihren neuen Bischof und seine Fähigkeiten freuen"

So der Kardinal Karl Lehmann, Mainz, in seinem Grußwort bei der Amtseinführung von Bischof Ulrich Neymeyr als neuer Bischof von Erfurt


Kardinal Lehmann spricht sein Grußwort


Erlauben Sie mir, dass ich in diesem Grußwort nur ein freilich zentrales Thema anspreche, nachdem ich bei anderen Gelegenheiten in Mainz über Ihren neuen Bischof Dr. Ulrich Neymeyr und auch über das theologische Verständnis des Wechsels eines Bischofs zwischen unseren Diözesen gesprochen habe. Jetzt geht es mir um eine kurze Erinnerung an das Verhältnis zwischen dem Bistum Erfurt und dem Bistum Mainz.

Wir sind zunächst einmal eng verbunden durch die Gestalt des großen „Apostels der Deutschen“, Erzbischof Bonifatius, der im Jahr 754 auf einer Missionsfahrt ermordet worden ist. Er hat im Jahr 742 das damalige Bistum Erfurt gegründet. Mit anderen Bistümern wie Amöneburg, Fritzlar, Würzburg, Bamberg und Eichstätt waren dies Stützpunkte für die Missionierung vor allem auch mit monastischem Charakter. Manche dieser Bistümer haben nicht lange existiert, andere gibt es noch heute. Bonifatius nennt Erfurt eine „alte Stadt“, die man kennt, auch damals als ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Erfurt liegt von Natur aus an einer begünstigten Stelle, spielte im thüringischen Königreich und bei der Christianisierung Thüringens bereits eine Rolle. Bonifatius teilt dem neuen Papst Mitte 742 mit, dass er drei neue Bischöfe bestellt habe und bittet um die Bestätigung. Er nennt Erfurt „ehedem eine Stadt ackerbautreibender Heiden“. Papst Zacharias bestätigte in einem Brief diese Gründungen (743). Wir haben auch den Namen des ersten und damals einzigen Bischofs. Das Bistum Erfurt wurde nämlich noch zu Lebzeiten des Bonifatius um 754 wieder aufgehoben und wohl um 780 dem Erzbistum Mainz eingegliedert. Von Kaiser Otto I., der Große (912-973) bis 1802 gehörte Erfurt zum Erzbistum Mainz. Neun Bistümer gehörten damals zur Erzdiözese Mainz. Seit dem Spätmittelalter bis 1807 gab es einen ständig in Erfurt residierenden Weihbischof.

Dies war gewiss nicht immer eine freundschaftliche Beziehung. Denn es war natürlich auch eine Art der Unterordnung mit manchen Rivalitätskämpfen. Schließlich war der Erzbischof von Mainz auch Stadtherr. Aber es ist doch eine über 1200-jährige Geschichte. 1821 kam dann der kirchliche Bezirk von Erfurt zu Paderborn, dem heutigen Erzbistum, zu dem Erfurt gehört.

Unbeschadet dieses Wechsels gab es auch später engere Beziehungen zwischen dem Bistum Mainz und dem kirchlichen Bereich des heutigen Bistums Erfurt. Ich erinnere mich besonders an die kommunistische Zeit, da es zwischen Mainz und Erfurt eigene Kontakte gab: in der Jugendseelsorge, unter den Studierenden zwischen Mainz und den damaligen Universitäten Jena und Halle, den Seelsorgeämtern und nicht zuletzt den Vertretern der Laienorganisationen, der Räte und – so sagte man damals gerne – des Laienapostolates. Auch heute noch gibt es regelmäßige Kontakte zwischen den diözesanen Räten. Ich selbst hatte, als ich noch nicht Bischof von Mainz war, Kontakte mit Bischof Hugo Aufderbeck und später natürlich intensiv mit Bischof Joachim Wanke, besonders aber auch mit den Professoren des Philosophisch-Theologischen Studiums (1952 gegründet), ganz besonders mit den Professoren Heinz Schürmann und Wilhelm Ernst, später auch mit Lothar Ullrich. Die besondere geschichtliche Beziehung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass Erfurt und Mainz eine Städtepartnerschaft haben. Seit 1973 gab es das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen, seit dieser Zeit gab es einen Bischöflichen Apostolischen Administrator, nämlich Hugo Aufderbeck (1973-1981) und Joachim Wanke (zuerst 1980 Weihbischof, seit 1981 Apostolischer Administrator). Nach der Neuordnung in Folge der Deutschen Einheit wurde Erfurt im Jahr 1994 Bistum mit der Zuordnung zum Erzbistum Paderborn.

Wenn nun Ulrich Neymeyr Bischof von Erfurt geworden ist, freuen wir uns bei allem Abschiedsschmerz über seine Berufung. Dadurch wird die Beziehung zwischen Mainz und Erfurt auf einem neuen Fundament nun noch enger, zumal auch in seiner Familiengeschichte thüringische Ahnen sind. Dies wollen wir auch über seine Person hinaus als Bistümer dankbar und herzlich bekräftigen, wobei uns auch die Städtepartnerschaft Hilfe und Unterstützung ist. Sie dürfen sich über Ihren neuen Bischof und seine Fähigkeiten freuen. Wir wünschen ihm und allen Katholiken und Christen in Erfurt Gottes reichen Segen und sagen noch einmal von Mainz aus auch ein herzliches Vergelt´s Gott für seinen fruchtbaren Dienst in unserem Bistum. Herzlichen Dank!

22.11.2014



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