"Jeder wusste, dass Du zum Amt eines Diözesanbischofs das Zeug hast"

Kardinal Lehmann würdigte Weihbischof Neymeyr zum Abschied aus dem Bistum Mainz


Kardinal Lehmann und Weihbischof Neymeyr, beide aus Mainz


Mainz.
"Wohl jeder, der hier ist und von ihm Abschied nimmt, hat seine eigenen guten Erfahrungen mit ihm. Jeder kann ihm großen Dank abstatten." Das sagte der Mainzer Bischof,Kardinal Karl Lehmann, am Sonntag, 16. November, bei der Verabschiedung von WeihbischofDr. Ulrich Neymeyr. Lehmann sprach bei einem Empfang im Ketteler-Saal des Erbacher Hofes vor rund 120 geladenen Gästen.

Zuvor hatten die Gläubigen bei der Vesper im vollbesetzten Dom lange, stehend Beifall für Weihbischof Neymeyr gespendet. Papst Franziskus hatte Neymeyr am 19. September zum neuen Bischof von Erfurt ernannt. Neymeyr ist als Nachfolger von Bischof Joachim Wanke, der 2012 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat,
der zweite Bischof des 1994 neu gegründeten Bistums Erfurt. Die Amtseinführung findet am Samstag, 22. November, in Erfurt statt.

Wörtlich sagte der Kardinal: "Lieber Mitbruder Ulrich, ich sage auch persönlich meinen ganz herzlichen Dank für die nahtlose, gute Zusammenarbeit, nicht nur in den letzten elf Jahren, sondern auch in der ganzen Länge Deines und meines Dienstes im Bistum. Es war immer ein großer Verlass auf Dich. Wir zogen ohne künstliche Verabredung und Taktik immer am selben Strick. Ich habe mich stets gefreut, wie sehr Du im Bistum, vor allem auch bei der Jugend, und außerhalb der Diözese großen Anklang und Anerkennung gefunden hast."

Lehmann ging in seiner Ansprache ausführlich auf den Werdegang von Neymeyr ein. In den elf Jahren seines bischöflichen Wirkens im Bistum Mainz habe dieser "eine herausragende Arbeit geleistet". Neymeyr ist ein "sehr sachlicher und ruhiger Mensch", sagte Lehmann.  "Man sieht nicht sofort, was alles in ihm steckt. Er entfaltet seine Qualitäten im Lauf der Jahre bzw. beim Verfolgen einer Aufgabe. Er drängt sich selbst nie vor. Darum muss man seine Qualitäten erst entdecken. Sobald er angesprochen wird oder selbst Verantwortung übernimmt, ist er bei aller Zurückhaltung, die er sich auferlegt, geistesgegenwärtig und handlungsfähig." Vor allem habe er "stets eine authentische Freude am geistlichen Dienst und kann bei aller Sachlichkeit und Zurückhaltung andere überzeugend für Glaube und Kirche begeistern und gewinnen". Der Kardinal betonte am Ende seiner Ansprache: "Ich habe mich gefreut, dass man bei Deiner Berufung zum Bischof von Erfurt durch den Heiligen Vater im Bistum Bedauern aussprach, aber nie eigentlich Enttäuschung. Jeder wusste, dass Du zum Amt eines Diözesanbischofs das Zeug hast."

Grußworte im Erbacher Hof
Staatsministerin Vera Reiß vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, bedankte sich bei Neymeyr "für seine großen Verdienste im Bereich der Jugendarbeit". Reiß, die seit vergangenen Mittwoch im Amt ist und damit auch "Kirchenministerin" ist, betonte, dass sie die "vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Bistümern im Land, besonders im Bildungsbereich in bewährter Tradition fortsetzen werde". Der Abschied von Weihbischof Neymeyr, bedeute "einen Verlust für das Bistum Mainz", sagte Staatssekretär Dr. Manuel Lösel vom hessischen Kultusministerium. Er hob ebenso die Verdienste Neymeyrs in der Jugendarbeit hervor und bedankte sich "für den geschätzten und vertrauten Kontakt zwischen Landesregierung und Kirche". Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling sagte: "Ihre Offenheit und Toleranz in der Arbeit mit Jugendlichen war etwas ganz Großartiges." Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke er auf diesen Abschied, sagte Ebling. Er erinnerte dabei an die Städtepartnerschaft von Mainz mit der Stadt Erfurt.

Caroline Witting vom Vorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Mainz bezeichnete Neymeyr als "ganz besonderen" Bischofsvikar für die Jugend. "Wir danken Ihnen dafür, dass Sie immer ansprechbar waren und das Gespräch immer auf Augenhöhe geführt haben. Sie waren nicht nur interessiert an unseren Projekten, sondern an den Menschen dahinter." Und weiter: "Das Bistum Erfurt kann sich wirklich auf seinen neuen
Bischof freuen." Die Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung im Bistum Mainz, Dr. Hildegard Dziuk, überbrachte Abschiedsgrüße im Namen der Räte im Bistum Mainz: "Danke für die gute Saat, die Sie hier ausgesät haben - haben Sie damit doch eine wichtige und notwendige Grundlage für unsere Zukunft gelegt."

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke überbrachte als Vertreter des Bistums Erfurt gute Wünsche zum Abschied aus Mainz. Er stellte in seinem Grußwort die Feste und Gedenktage der Heiligen im Bistum Erfurt vor - angefangen von der heiligen Elisabeth von Thüringen bis zum seligen Marcel Callo, der ein Patron der Jugendseelsorge im Bistum Erfurt ist. Wörtlich sagte Hauke: "Ich dachte mir, dass es heute schon gut sei, darauf hinzuweisen, wer die Heiligen und Seligen sind, die Dich neben den lebendigen Gläubigen als die Thüringer Christen im Himmel erwarten und zu deren Festfeier Du eingeladen bist."
Hauke leitet das Bistum Erfurt als Diözesanadministrator bis zur Amtseinführung von Neymeyr in der kommenden Woche. Zur Vorbereitung auf die neue Aufgabe überreichte Hauke die liturgischen Texte der Eigenfeiern des Bistums Erfurt in Form von Messbuch, Lektionar und Faszikeln des Stundenbuchs an Neymeyr. Weiter sagte er: "Da Du musikalisch bist, habe ich Dir zum Üben auch ein Gotteslob mitgebracht, in dem Du im Bistumsanhang die Lieder findest, die in allen ostdeutschen Bistümern gesungen werden und damit auch in unserem
Bistum."

Dankwort von Weihbischof Neymeyr
In seinem Dankwort in der Vesper hob Neymeyr hervor, dass ihm der Abschied schwer falle. Wörtlich sagte er: "Ich habe der Kirche von Mainz verbunden mit dem Geschenk des Glaubens viele bereichernde Begegnungen mit Menschen zu verdanken, deren Lebensjahre auch meine Lebensjahre waren. Ihnen allen danke ich von Herzen." Und weiter: "Der Abschied aus dem Bistum Mainz fällt mir schwer. Es ist mir ein Trost und eine Ermutigung, was mir ein Pfarrer aus dem Bistum Erfurt geschrieben hat: ‚Es ist gut, dass Sie in Ihrer Ernennung den Willen Gottes sehen. Es ist auch gut, wenn einer Weihbischof wird, der lieber  Gemeindepfarrer geblieben wäre. Und es ist gut, wenn einer Bischof von Erfurt wird, der lieber Weihbischof in Mainz geblieben wäre.’ Ermutigt durch diesen Zuspruch gehe ich erwartungsfroh nach Erfurt. Viele im Bistum Erfurt und in Thüringen haben mir in den letzten Wochen gesagt und geschrieben, dass ich dort willkommen bin."
Neymeyr betonte auch die besondere Prägung, die er durch Kardinal Lehmann erhalten habe: "Wer sagt, ich sei ein Schüler von Kardinal Lehmann, hat Recht." Beim Empfang im Erbacher Hof sagte Neymeyr - nach der Vielzahl der Würdigungen seiner Person: "Ich muss sie enttäuschen. So ausgezeichnet, wie ich dargestellt werde, bin ich nicht. Ich koche auch nur mit Wasser. Ich möchte mich aber gerne mit meinen Talenten und Fähigkeiten im Bistum Erfurt einbringen."
Anschließend las er den Brief vor, den er Anfang Oktober an die Gemeinden im Bistum Erfurt geschrieben hatte. Wörtlich heißt es darin: "Es hat mich tief bewegt, dass sowohl Papst Franziskus und seine Berater als auch das Erfurter Domkapitel ein solches Vertrauen in mich setzen. Ich sehe in dieser Ernennung den Willen Gottes, der zwar sehr überraschend auf mich zukam, den anzunehmen mir aber nicht sehr schwer fiel." Ausschlaggebend für seine Zusage seien "die ermunternde Begegnung" mit Dompropst Arndt und Domkapitular Hübenthal in Mainz gewesen, die ihm die Nachricht von der Wahl durch das Erfurter Domkapitel überbracht hatten. Wichtig sei auch das Gespräch mit Kardinal Lehmann gewesen, "in dem er mir sagte, er traue mir das Amt des Bischofs von Erfurt zu, er freue sich für Erfurt
und er sei bereit, seinen einzigen Weihbischof ziehen zu lassen."

Dom-Lithographie zum Abschied
Als Abschiedsgeschenk überreichte der Generalvikar des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, gemeinsam mit Domdekan Prälat Heinz Heckwolf eine Lithographie des Mainzer Doms an Weihbischof Neymeyr. Das Bild zeigt den Mainzer Dom vom Marktplatz aus etwa in der Zeit um 1820 bis 1830. Die Lithographie stammt von Charles Hullmandel (1789-1850) nach einer Zeichnung von Samuel Prout (1783-1852).
Zur Verabschiedung waren unter anderen der Propst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für Rheinhessen, Dr. Klaus-Volker Schütz, der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Karl-Josef Rauber, gekommen.
Darüber hinaus waren unter den geladenen Gästen viele Weggefährten und Freunde des Weihbischofs, Vertreter aus den Räten des Bistums Mainz, sowie die Mitglieder der Domkapitel aus Mainz und Erfurt. Die Moderation des Empfangs hatte Generalvikar Giebelmann übernommen. Er bekräftigte, dass Neymeyr im Mainzer Dom "immer einen Spind behalten wird". Für die musikalische Gestaltung der Vesper sorgten der Mainzer Domchor, die Domkantorei St. Martin und die Mainzer Dombläser unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck sowie Domorganist Daniel Beckmann an der Domorgel.

Weihbischof Neymeyr, Mainz mit Abschiedsgruß

 

 

 

 

 

 

 

Pressemitteilung der Bischöflichen Pressestelle Mainz. Den Inhalt verantwortet der Absender.

17.11.2014

Kardinal Lehmann würdigte Weihbischof Neymeyr zum Abschied aus dem Bistum Mainz



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