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Grußwort von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke anlässlich der Verabschiedung von Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr aus dem Bistum Mainz

Porträt Weihbischof Hauke, ErfurtWas braucht der neue Bischof von Erfurt? - habe ich mich gefragt. Neben vielen guten Wünschen, die er in das Reisegepäck legen kann, braucht er auch einen Fahrplan für das Bistum Erfurt. Jedes Bistum hat zumindest einen eigenen Fahrplan, was die Feste und Gedenktage der Heiligen betrifft. Ich dachte mir, dass es heute schon gut sei, darauf hinzuweisen, wer die Heiligen und Seligen sind, die Dich neben den lebendigen Gläubigen als die Thüringer Christen im Himmel erwarten und zu deren Festfeier Du eingeladen bist:

ElisabethfigurDa geht natürlich allen voran die Bistumspatronin, die heilige Elisabeth von Thüringen. Zu dieser großen Frau, die aus Ungarn kam und in Thüringen ihr Charisma der Nächstenliebe mit Leben erfüllte, brauche ich nicht viel zu sagen. Sie ist in aller Munde bei den karitativ engagierten Christen in Deutschland.

Daneben steht der heilige Bonifatius, der 742 das erste Bistum Erfurt gegründet und nach der Tradition den heiligen Adelar als ersten und einzigen Bischof von Erfurt eingesetzt hat. Seitdem hatten wir in Erfurt keine Bischofseinführungen mehr, denn die Mainzer Weihbischöfe bekamen bei uns keine Kathedra, und die Bischöfe, die uns aus Paderborn und Fulda betreut haben, hatten ebenfalls keine. Als der erste Bischof des neuen Bistums Erfurt 1994 eingeführt wurde, gab es auch keine große Inthronisation. Wir haben es einfach gewusst: Bischof Dr. Wanke ist unser Bischof, und er sagte gern: Nur gut, dass es schon einen ersten Bischof in Erfurt 742 gab. Die ersten Bischöfe waren meistens Märtyrer wie der heilige Adelar. Du, lieber Ulrich, hast deshalb als offizieller zweiter Bischof von Erfurt nur die Chance, ein heiliger Bekenner zu werden.

Figur des hl. KilianDer heilige Kilian aus dem ehemals Würzburger Gebiet des Bistums sei erwähnt. Er wurde Märtyrer, weil er für das Eherecht gekämpft hatte. Wir hoffen, dass es diese Märtyrer heute nicht mehr braucht.

Die heilige Radegunde lebte auf der Mühlburg bei Erfurt als fränkische Königstochter und erste nachweisliche Christin in unserem Thüringer Land im sechsten Jahrhundert. Die heilige Paulina war am Anfang des zwölften Jahrhunderts in Thüringen eine große Äbtissin, deren Klosterruinen bis heute viele Menschen in Staunen versetzen.

Der heilige Willibald wurde durch den heiligen Bonifatius in Sülzenbrücken bei Erfurt zum Bischof geweiht und war dann Bischof von Eichstätt.

Der heilige Günther wird bei uns verehrt, weil er aus einem Adelsgeschlecht stammt, das bei Arnstadt seinen Sitz hatte. Er brachte neben seinem missionarischen Eifer den Geist der Ordensleute und Mystiker nach Thüringen.

Der selige Liborius Wagner wurde in Mühlhausen geboren und versuchte als Priester des Bistums Würzburg, eine Versöhnung zwischen Katholiken und Protestanten zu erreichen. Dabei geriet er zwischen alle Stühle und wurde ermordet. Er ist ein Märtyrer der Ökumene. Da haben sich die Zeiten doch Gott-sei-Dank geändert.

Der selige Marcel Callo aus Frankreich war in Zella-Mehlis interniert und ist für uns ein Patron der Jugendseelsorge, der auch unter Folter seine Freude am Evangelium lebte bis zum Tod.
Im KZ Buchenwald starb unter der gleichen Diktatur der österreichische Priester Otto Neururer, der wie der evangelische Pfarrer Paul Schneider als heiligmäßiger Seelsorger des KZ verehrt wird.

Neben dem heiligen Adelar und seinem Freund Eoban, der Bischof von Utrecht war, sind auf dem Domberg der heilige Bischof Severus mit Frau und Tochter bestattet, was immer zu Irritationen führt. Der heilige Severus war Bischof im vierten Jahrhundert und hatte damals eben nur eine Frau - was damals als sehr anständig galt - und mit ihr eine Tochter, die alle miteinander heilig geworden sind.

Am 10. November feiern wir am Geburtstag von Martin Luther den Martinstag mit 10.000 Erwachsenen und Kindern auf dem Domplatz. Dabei wird auch des Stadtpatrons Martin von Tours gedacht, den wir aus der Mainzer Zeit geerbt haben und über den wir sehr froh sind, weil er durch seine Nächstenliebe das Wirken der heiligen Elisabeth schon vorschattete.

Eine Brücke von Mainz in das Bistum Erfurt schlagen die beiden Märtyrer Aureus und Justinus. Im Eichsfeld dürfen die Christen den heiligen Bischof Aureus und seinen Diakon Justinus feiern, deren Reliquien aus Mainz nach Heiligenstadt kamen. In Mainz wurden beide getötet und in Heiligenstadt haben ihre Reliquien Heilungen bewirkt. So sind die Heiligenstädter bis heute den Mainzern zu Dank verpflichtet, wenn wir auch nicht darauf bestehen, dass die Mainzer nur als Märtyrer zu uns kommen können, wenn sie Gutes bewirken wollen.

Lieber Ulrich, dieser Kranz von Heiligen und Seligen umgibt Dich in unserem Bistum Erfurt. Um ihr Leben studieren zu können, habe ich Dir schon mal die liturgischen Texte der Eigenfeiern des Bistums Erfurt mitgebracht: das Messbuch, das Lektionar und den Faszikel des Stundenbuchs. Da Du musikalisch bist, habe ich Dir zum Üben auch ein Gotteslob mitgebracht, in dem Du im Bistumsanhang die Lieder findest, die in allen ostdeutschen Bistümern gesungen werden und damit auch in unserem Bistum.

Herzlich willkommen in Deinem neuen Zuhause - dem Bistum Erfurt. Der heilige Martin soll Dir von hier nach dort mit seiner Fürsprache zur Seite stehen.

Grußwort von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke anlässlich der Verabschiedung von Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr aus dem Bistum Mainz



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