Ausgezeichnet!

Deutsche Bischofskonferenz verleiht zum 12. Mal den Katholischen Medienpreis. Preisträger thematisierten die existentielle Frage nach Menschlichkeit in unmenschlichen Systemen

Bischof Gebhard Fürst mit PreisträgernBonn. Der Katholische Medienpreis ist am 27. Oktober zum 12. Mal verliehen worden. Bei einem Festakt in Bonn zeichnete die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) die Journalisten Raoul Löbbert und Marc Wiese aus. Eine sechsköpfige Jury hatte aus 241 Einreichungen die Preisträger ermittelt.

Vor rund 300 Gästen aus Kirche, Politik und Medien würdigte der Vorsitzende der Jury und der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz,  Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) die Preisträger und ihre Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten und das Verständnis von Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhängen fördern. Der Katholische Medienpreis werde außerdem für journalistische Leistungen vergeben, die das "humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen."

In seiner Rede betonte Bischof Fürst, dass die ausgezeichneten Beiträge in besonderer Weise bedrückende menschliche Grenzerfahrungen zum Ausdruck bringen. "Es ist seit jeher Aufgabe der Religion, der Verzweiflung und Sprachlosigkeit Ausdruck zu verleihen und trotz der Aussichtslosigkeit neues Leben zu finden. Das Kommunikationsmittel der Religion dafür ist der reflexionsstarke und mit verdichteten Menschenerfahrungen gesättigte Text, die Bibel." Als positive Entwicklung im Medienbereich bezeichnete Bischof Fürst das Aufeinander-Zugehen von Gedrucktem und Digitalem: "Als leidenschaftlicher Freund des Buches und der Zeitung möchte ich auch in Zukunft diese Medien nutzen. Andererseits suchen Menschen Qualitätsjournalismus im Netz. Dabei werden wir lernen müssen, dass Präzisionsjournalismus Geld im Internet kostet, auch das aus unserer eigenen Tasche." Die Preisträger hätten Beiträge verfasst, die danach fragten, wie man nach Erlebtem seinen eigenen Frieden finden könne. Bischof Fürst zitierte daher aus Hermann Hesses Glasperlenspiel, dass "Gott uns die Verzweiflung nicht schickt, um uns zu töten, sondern um neues Leben in uns zu erwecken".

Raoul Löbbert erhält den Preis in der Kategorie "Print" für seinen Artikel "Die Gnadenabteilung", der am 8. August 2013 in "Die ZEIT/Christ und Welt" erschienen ist. Darin berichtet er von einer Familie, die am Niederrhein in der Idylle ihres neuen Gartens auf Kinderknochen stößt. Kinder mit Behinderungen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in der Kinderfachabteilung einer Heil- und Pflegeanstalt, die zynisch als "Gnadenabteilung" bezeichnet wurde, ermordet und anschließend begraben. Löbbert berichtet von einem Sparkassendirektor, der mehr über das Schicksal der Kinder wissen will und zum Kronzeugen der Geschichte wird. Die Reportage widmet sich den Themen Schuld und Sühne, Wert des Lebens, Umgang mit Behinderungen und der Frage nach Vergessen und Erinnern. Der Autor hat "bei allem Schrecken der damaligen Ereignisse damit auch das Anliegen verdeutlicht, dass jeder aufmerksame und wertebewusste Staatsbürger einen Beitrag für eine menschenwürdigere Welt leisten kann", heißt es in der Jurybegründung. Laudator Ulrich Lüke, Chefkorrespondent und Ressortleiter Politik des General-Anzeigers Bonn, würdigte Löbberts Leistung als "eine Reportage, die den Leser mitnimmt im doppelten Sinne des Wortes, die ihn ergreift". Löbbert schildere die Ereignisse, als seien sie gerade erst um die Ecke geschehen. "Er sagt, was war. Und diese Wirklichkeit ist eindringlicher als jeder Kommentar", so Lüke. Seine Reportage sei voll von Themen, die es wert sind, beachtet zu werden: "Welchen Wert hat menschliches Leben? Welchen Umgang mit behinderten Menschen pflegen wir heute? Wie schnell machen wir uns schuldig, allein schon dadurch, dass wir wegschauen?"

In der Kategorie "Elektronische Medien" hat Marc Wiese den Preis für seinen Fernsehbeitrag "Camp 14 – Total Control Zone" erhalten, der in "ARTE" am 5. März 2014 ausgestrahlt wurde. Der Film berichtet von Shin Dong-hyuk, der als Kind zweier Häftlinge in einem Arbeitslager in Nordkorea groß geworden ist und erst als Erwachsener über China nach Südkorea fliehen kann. Ein Leben außerhalb des Lagers hatte er nie kennengelernt, auch Mitleid war ihm nicht vertraut. So berührte ihn die Hinrichtung der Mutter und des Bruders nicht, deren Fluchtpläne er verraten hatte, weil ihm beigebracht worden war, das zu tun, was im Arbeitslager als richtiges Verhalten bezeichnet wurde. Vom Camp 14 gibt es in Wieses Film kaum reale Aufnahmen, wichtige Szenen werden als schlichte Animationen dargestellt. "Animierte Zeichnungen zeigen das Leben hinter den meterhohen Elektrozäunen, ohne die Brutalitäten darzustellen. Umso stärker wirkt die Imaginationskraft des Zuschauers", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Marc Wiese sei ein Meisterwerk gelungen, das den Zuschauer mit der existenziellen Frage nach Menschlichkeit in einem unmenschlichen System konfrontiere. "Er zeigt, dass Zuwendung und Liebe nicht als genetisches Programm im Menschen angelegt sind, sondern in einem Sozialisationsprozess wachsen." In seiner Laudatio betonte Dr. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF: "Der Film lässt Luft, macht nachdenklich über dieses Regime in Nordkorea, das in vielen Berichten von uns vielleicht eher als surreal wahrgenommen wird." Dass Nordkorea aber in Wahrheit eine brutale Diktatur sei, ein menschenverachtendes Regime, vergesse man manchmal. "Wer diesen Film gesehen hat, versteht, warum es sich lohnt für Demokratie, für Menschenrechte und für Freiheit zu kämpfen", so Frey.

Neben den Hauptpreisen vergab die Jury auch in diesem Jahr mehrfach die Auszeichnung "journalistisch WERTvoll": im Bereich "Printmedien" für Christina Brunner ("Unser Sternenkind", stadtgottes Nr. 9, September 2013) und Christine Strasser, stellvertretend für das Autorenteam der Serie "Was glaubst Du?" (Mittelbayerische Zeitung, 5. Februar 2014 bis 5. Mai 2014) und im Bereich "Elektronische Medien" für Anabel Münstermann ("Augen zu und durch – warum ich alles anders sehe", ZDF, Reihe 37°, 21. Januar 2014) sowie für Ina Jackson und Kristine Kretschmer ("Du kannst das Baby doch nicht mal halten!", Hörfunkbeitrag SWR2, 26. Juni 2013).

Der Katholische Medienpreis, der in der Kategorie Printmedien und Elektronische Medien mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) ausgeschrieben. Die Preisträger wurden aus insgesamt 241 Beiträgen – 82 in der Kategorie Printmedien, 159 in der Kategorie Elektronische Medien und darunter 12 Internetbeiträge – von einer sechsköpfigen Jury ausgewählt. Zur Jury gehören Dr. Andrea Rübenacker (Deutsche Welle, Bonn), Werner Dieste (MDR Landesfunkhaus Thüringen, Erfurt), Albert Herchenbach (stadtgottes, Nettetal), Stefan Kläsener (Westfalenpost, Hagen) und Dr. Johannes Schießl (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholischen Akademie in Bayern, München) unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart).

Hinweise:
Die Ansprache von Bischof Dr. Gebhard Fürst sowie die Laudationes von Dr. Peter Frey und Ulrich Lüke finden Sie zum Herunterladen unter www.dbk.de. Dort sind unter der Initiativseite "Katholischer Medienpreis" auch weitere Informationen und die Jurybegründungen zu finden.

Ebenso informieren www.gkp.de, www.katholischer-medienverband.de und www.katholisch.de über den Katholischen Medienpreis.

Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz. Den Inhalt verantwortet der Absender.

28.10.2014



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