"Miteinander Zuspruch empfangen"

Der ernannte Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr schreibt Thüringer Katholiken einen Brief


Der designierte Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr


Liebe Mitchristen im Bistum Erfurt,
meine lieben Schwestern und Brüder im Herrn,

am 14. September 2014 besuchten mich Dompropst Arndt und Domkapitular Hübenthal in Mainz und teilten mir mit, dass mich das Erfurter Domkapitel zum Bischof von Erfurt gewählt habe. Sie teilten mir dies nicht nur mit, sondern sie baten mich in einem sehr schönen mitbrüderlichen Gespräch, das Amt anzunehmen und ins Bistum Erfurt zu kommen.

Es hat mich tief bewegt, dass sowohl Papst Franziskus und seine Berater als auch das Erfurter Domkapitel ein solches Vertrauen in mich setzen. Ich sehe in dieser Ernennung den Willen Gottes, der zwar sehr überraschend auf mich zukam, den anzunehmen mir aber nicht sehr schwer fiel. Da war zunächst die ermunternde Begegnung mit den beiden „Boten aus Erfurt“. Da war das Gespräch mit Kardinal Lehmann, in dem er mir sagte, er traue mir das Amt des Bischofs von Erfurt zu, er freue sich für Erfurt und er sei bereit, seinen einzigen Weihbischof ziehen zu lassen.

Vor allem aber dachte ich bei meiner Entscheidung an die Bischöfe, Priester und an die jungen Menschen aus dem Osten, denen ich bisher begegnet bin. Ich erinnerte mich an eine Katechese beim Weltjugendtag in Madrid, bei der ich die Studierenden motivieren wollte, an ihrem Studienort den Kontakt zur dortigen katholischen Hochschulgemeinde zu suchen, was leider oft nicht geschieht. Ein Student aus dem Bistum Dresden-Meißen sagte beim anschließenden Gespräch im Plenum: „Bei uns ist das nicht so. Wir gehen zur katholischen Hochschulgemeinde.“ Ich habe ihm geantwortet: „Das freut mich sehr und wir „Westler“ werden noch kommen und Euch fragen, wie Ihr Kirche lebt.“ Ich musste dabei an meinen Vater und meine Tante denken, die in Naumburg an der Saale aufgewachsen und durch diese Diaspora-Erfahrung überzeugte Katholiken geworden und geblieben sind.

Jetzt komme ich also tatsächlich und freue mich nicht nur auf die Begegnungen in den Diaspora-Gebieten, sondern auch im Eichsfeld. Vor ein paar Jahren traf ich im Mainzer Dom eine Gruppe von Eichsfeldern, die mir viel vom Eichsfeld und seinen Beziehungen nach Mainz erzählten. Bei der Vesper mit Papst Benedikt XVI. in Etzelsbach konnte ich die religiöse Kraft des Eichsfelds zum ersten Mal miterleben.
So lebe ich mit gespannter Vorfreude auf den 22. November 2014 hin, den Tag meiner Amtseinführung in Erfurt.     

Ich bin froh, dass ein paar Wochen Zeit bleiben, um hier in Mainz meine Aufgaben zu übergeben und Abschied zu nehmen und um mich vorzubereiten auf meine neue Aufgabe. Leider bleibt nicht genügend Zeit, um die vielen Glückwünsche, die mich aus dem Bistum Erfurt erreicht haben, ausführlich zu beantworten. Diese Glückwünsche tun mir sehr gut und zeigen mir, dass ich bei den Menschen willkommen bin, auch wenn sie mich nicht kennen. Eine Grundschulklasse hat mir geschrieben: „Wir freuen uns, dass Sie zu uns kommen. Von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen, dass Sie sich schnell einleben und sich hier wohlfühlen. Unsere Gebete werden sie begleiten.“ Auch ich bete für Sie, liebe Schwestern und Brüder im Bistum Erfurt, und werde dabei vom Anfang des Römerbriefes des Apostels Paulus inspiriert, der auch an die Christen in Rom geschrieben hat, ohne sie zu kennen.

Er schrieb: „An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. (…) Ich möchte euch geistliche Gaben vermitteln, damit ihr dadurch gestärkt werdet, oder besser: damit wir, wenn ich bei euch bin, miteinander Zuspruch empfangen durch euren und meinen Glauben.“ (Röm 1,7-12)

So grüße ich Sie alle als Noch-Weihbischof in Mainz und freue mich darauf, Sie kennenzulernen.

+ Ulrich Neymeyr


>>> Amtseinführung am Samstag, 22. November 2014 um 11 Uhr im Erfurter Dom


9.10.2014

Der ernannte Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr schreibt Thüringer Katholiken einen Brief



Impressum | Sitemap | Kontakt
powered by St. Benno-Verlag