"Erst einmal sehen, hören und lernen"

Er verstehe problemlos Sächsisch und ist zuversichtlich, auch mit dem Thüringischen zurecht zu kommen, so der designierte Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr, im Interview

Weihbischof Ulrich Neymeyr im InterviewKennen Sie Erfurt eigentlich?

Meine Großeltern mütterlicherseits stammen aus Thüringen (Pößneck und Sonneberg). Sie zogen dann nach Mannheim. Während des Krieges war meine Oma zusammen mit meiner Mutter und meinem Onkel bei Verwandten in Stadilm. Diese Verwandten habe ich 1973 zusammen mit meinen Schwestern besucht und war damals zum ersten Mal im Erfurt. Als Subregens im Mainzer Priesterseminar habe ich im Mai 1992 an der Jugendwallfahrt in Erfurt teilgenommen. Als Weihbischof war ich dreimal in Erfurt: Im November 2009 bei einer Sitzung der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, im April 2011 bei der Jahrestagung der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte und beim Papstbesuch im September 2011.


Erfurt hat ja früher zum Erzbistum Mainz gehört, aber auch zu DDR-Zeiten gab es immer Kontakte und bis heute gibt es unter anderem einen regelmäßigen Austausch der diözesanen Räte. Werden sich diese Verbindungen jetzt noch intensivieren?

Als Mainzer Leiter der Jugendseelsorge bin ich für das Jugendhaus Don Bosco zuständig, das bei vielen Erfurtern gute Erinnerungen weckt, weil von dort aus viele Beziehungen nach Erfurt geknüpft wurden. Sie sind untrennbar mit dem Namen Prälat Hermann Mayer verbunden. Auch heute gibt es - wie auch schon in der Geschichte lange vor der DDR - viele gute Kontakte zwischen Mainz und Erfurt. Ich werde diese Verbindung - ob ich will oder nicht - dadurch bestärken, dass meine Sprache rheinhessisch geprägt ist. Da mein Vater in Naumburg an der Saale aufgewachsen ist, verstehe ich auch problemlos Sächsisch. Und ich bin zuversichtlich, auch mit dem Thüringischen zurecht zu kommen. Bis jetzt habe ich bei Besuchen keinen Dolmetscher gebraucht, und sollte ich doch etwas nicht verstehen, setze ich auf die Freundlichkeit der Thüringer und frage einfach nach.


Wie werden Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vorbereiten?

Die Diaspora-Situation der Katholiken ist in Erfurt eine ganz andere als in Mainz.
Ich habe nicht viel Zeit mich vorzubereiten. Ich muss in den kommenden Wochen meine Aufgaben hier in Mainz gut abgeben. Ich weiß, dass die kirchliche und gesellschaftliche Situation in Thüringen ganz anders ist als die in Rheinland-Pfalz oder Hessen. Deswegen werde ich im Bistum Erfurt erst einmal hören, sehen und lernen.


Wie haben Sie von Ihrer Wahl erfahren und wie lange haben Sie überlegt, bis Sie zugesagt haben?

Von meiner Wahl habe ich am Abend des vergangenen Freitags (12.9.14) erfahren – während des Dialogforums "Im Heute glauben" in Magdeburg. Am Sonntag haben mich Dompropst Arndt und Domkapitular Hübenthal besucht. Ich hatte dann noch Bedenkzeit bis Montagabend.

Fragen: Tobias Blum, Mainz / Peter Weidemann, Erfurt



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