Tonnenschwere Grabgeschichte

Schwerlastkran hievt jahrhundertealte, restaurierte Grabplatten und Epitaphien in den Garten der Erfurter Allerheiligenkirche


Ein Schwerlastkran hebt ein Epitaph über die Kirchmauer


Erfurt (BiP).
Im Garten der Erfurter Allerheiligenkirche werden ab heute neunzehn historische Grabplatten und drei Epitaphien aufgestellt, die in den letzten Jahren von Thüringer Restaurierungsbetrieben restauriert worden sind. Da das Einzelstück bis zu zwei Tonnen wiegen kann, hebt ein Schwerlastkran an den ersten beiden Tagen die Grabmäler vom Transportwagen über die Mauer in den Garten. Die Epitaphe, das sind Grabdenkmäler an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler, sind derart unhandlich, dass sie auch mit Hilfe des Krans an der Innenseite der Gartenmauer aufgestellt und gesichert werden müssen. Die Montagearbeiten dauern voraussichtlich 14 Tage, am Montag und Dienstag (1. und 2. September) muss die Allerheiligenstraße für den Fahrzeug-Verkehr gesperrt werden, damit der Schwerlastkran dort zum Einsatz kommen kann.

Ein Lastwagen liefert ein zwei Tonnen schweres Epitaph anBis auf einen Grabstein aus dem Jahr 1723 entstanden die Denkmäler zwischen 1382 und dem späten 16. Jahrhundert und stammen somit aus der Zeit, als die Allerheiligenkirche noch als Pfarrkirche genutzt wurde. Die ursprünglich für den Innenraum des Gotteshauses geschaffenen Kunstwerke waren trotz ihrer hohen künstlerischen Qualität in den späteren 1890er Jahren ins Freie des Kirchgartens verbracht und dort den Witterungsverhältnissen mehr oder minder ungeschützt ausgesetzt worden. Kunsthistoriker interessieren sich für die Steine besonders wegen ihrer Ikonographie. Aus allgemeiner historischer Sicht bilden die Objekte wichtige Zeugnisse der Stadt- und Universitätsgeschichte. Der Freistaat Thüringen hat darum die Sanierung mit 196.000 Euro gefördert. Das Erfurter Domkapitel – die Allerheiligenkirche gehört zur Dompfarrei – brachte bisher 55.000 Euro an Eigenmitteln auf.

"In erster Linie aber sind die Grabplatten und Epitaphien Zeugnisse vom Umgang der Menschen mit dem Phänomen Tod in einem Zeitalter sozialer Umbrüche", sagt der Kunstgutbeauftragte des Bistums Erfurt, Dr. Falko Bornschein über die eigentliche Bedeutung der Denkmäler. "Als steinerne Hinweise in einer verkehrsberuhigten Zone inmitten der pulsierenden Stadt verkörpern sie ein anderes, natürlicheres Verhältnis zum Sterben als etwa die Grabsteine auf den aus den Mauern verbannten Friedhöfen des Industriezeitaltars."

Ein Arbeiter sorgt dafür, dass das Epitaph lotrecht stehen kann

Zugleich wird aber auch mit der nun überdachten Aufstellung der Denkmäler im Kirchgarten an einer Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gebaut. 2015 entsteht dort eine Grabstätte für die Aschekapseln, die aus den Urnen des Kolumbariums der Allerheiligenkirche stammen werden. Seit 2007 können sich dort Christen und Nichtchristen in Urnenstelen bestatten lassen. Auch nach Ablauf der Liege- bzw. Standzeit der Urnen ist damit ein würdiger Umgang mit der Asche der Verstorbenen gewährleistet.

Einen Beitrag von Dr. Falko Bornschein, Kunstgutbeauftragter, zur Restaurierung und Wiederaufstellung der Grabplatten finden Sie hier (bitte anklicken, PDF-Datei).


1.9.2014

Schwerlastkran hievt jahrhundertealte, restaurierte Grabplatten und Epitaphien in den Garten der Erfurter Allerheiligenkirche



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