Was kommt in den Urlaubskoffer?

Hirtenbrief an Kinder zu den Sommerferien 2014 von Diözesanadministrator Weihbischof Reinhard Hauke

Koffer

Mit dem Urlaubskoffer kann man schöne Spiele machen. Ihr kennt sicher das Spiel "Ich packe meinen Koffer und lege herein". Da kann man ganz schön ins Schwitzen kommen, wenn dann der 20. Gegenstand richtig genannt werden soll, den der 20. Vorgänger im Kreis genannt hat. Ich habe noch ein anderes Spiel mit einem Koffer kennen gelernt. Da wurde ein Mann, der demnächst seine Freundin heiraten will, gefragt: Was wird im Urlaub nach der Hochzeit die künftige Frau unbedingt in den Koffer packen? Drei Dinge konnte der Bräutigam nennen. Die Braut wurde dabei rausgeschickt. Später sollte sie selbst sagen, was ihr sehr wichtig wäre und sie unbedingt im Koffer haben wollte. Wenn beide die gleichen Dinge genannt hatten, wurde festgestellt: Ihr seid ein ideales Brautpaar. Ihr könnt heiraten!
Nun könnte ich mir folgende Frage vorstellen: Kannst Du den Koffer für deinen Bruder oder deine Schwester, für deinen besten Freund oder deine beste Freundin packen? Was würden sie unbedingt mitnehmen wollen? Wenn ich weiß, dass es sich um einen Fußballfan handelt, dann würde sicherlich ein Ball dabei sein. Wenn ich weiß, dass es sich um eine "Leseratte" handelt, würde sicherlich ein spannendes Buch dabei sein. Wenn ich weiß, dass es sich um einen Musiker handelt, dann würde ich sagen: Er oder sie wird sicherlich das Instrument einpacken.
In diesem Jahr fahren 48.000 Jungen und Mädchen aus Deutschland nach Rom zur Ministrantenwallfahrt. Aus unserem Bistum sind auch 350 dabei. Darüber freue ich mich und ich werde auch drei Tage bei ihnen sein. Was packt ein Ministrant ein, wenn er zur Wallfahrt nach Rom fährt?

1.    Das Liederbuch
Damit die Gottesdienste schön gestaltet werden können und damit auch bei den gemütlichen Runden etwas gesungen werden kann, wurde ein Liederbuch zusammengestellt. Miteinander Gott loben – das ist ja das Ziel einer christlichen Gemeinschaft von Kindern und auch Erwachsenen. Wer als katholischer Christ in den Urlaub innerhalb Deutschlands oder auch nach Österreich fährt, der kann sein neues GOTTESLOB mitnehmen. Er wird die meisten Lieder mitsingen können, denn es ist ja ein Buch für die deutschsprachigen Gemeinden in Deutschland und Österreich. Wer das Buch bei sich hat, der sagt damit: "Ich will mit dir singen und beten!" Da das zu unserem Leben dazugehört, darf es im Urlaub nicht fehlen. Und falls ihr in einem fremden Land in einer katholischen Kirche seid, dann seht nach, ob es dort auch schöne Gesang- und Gebetbücher gibt. Das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" werdet ihr in jedem Fall finden, auch wenn in einer anderen Sprache. Und ihr werdet auch das Vaterunser und den Messablauf finden. Schlagt ruhig diese Seiten auf, dann könnt ihr sogar in fremden Sprachen beim Gottesdienst mitbeten.

2.    Der Wecker
Braucht man im Urlaub einen Wecker? Manchmal habe ich mir im Urlaub etwas vorgenommen, wo ich pünktlich sein muss, z.B. am Bahnhof oder auch am Flugzeug, bei einer Theaterveranstaltung oder bei einem Fußballspiel. Da möchte ich nicht zu spät kommen und deshalb muss ich den Wecker stellen. Natürlich gibt es im Urlaub auch Ausschlaftage, aber ich bin eher ein Typ, der immer etwas erleben möchte – und wenn es der Sonnenaufgang ist, den ich sonst sicher verschlafen würde. Vielleicht wollt ihr aber auch für Vater und Mutter einmal das Frühstück herrichten und müsst vorher zum Bäcker. Dann kann euch der Wecker helfen, dass die Überraschung gelingt. Ein Wecker ist eigentlich kein frommer Gegenstand, der in einem Ferienhirtenbrief des Weihbischofs erwähnt werden müsste. Er wird aber ein frommer Gegenstand, wenn er zum Gottesdienst weckt oder zu einer guten Tat. Also gehört er doch in den Ferienhirtenbrief.

3.    Das Kuscheltier und andere Erinnerungen
Ich weiß, dass sogar Jugendliche mit 15 Jahren ein Kuscheltier haben. Für jüngere Kinder ist das noch viel wichtiger. Der Bär, die Puppe, der Hase oder der Dinosaurier gehören dazu. Für Kinder sind es manchmal auch Spielzeuge und Computerspiele, die mit eingepackt werden  müssen. Ich möchte aber heute besonders das Kuscheltier nennen, denn es kann eher als das Computerspiel oder Holzauto Geborgenheit, Wärme und Sicherheit geben. Das tut es nicht selbst, sondern  die Erinnerung an die Eltern, die das Kuscheltier geschenkt haben, bringen solche Erfahrungen von Wärme, Sicherheit und Geborgenheit mit sich. Ich habe kein Kuscheltier mehr. Wo mein gelber Teddy mit dem dicken Bauch und etwas rohem Fell geblieben ist, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann, weiß ich nicht. Aber Erinnerungen an die Eltern habe ich heute durch ein Bild, das ich als Jugendlicher von ihnen gemalt habe, durch eine Tischdecke, die meine Mutter gestickt hat, und Briefmarken, die mein Vater mir vererbte. Ich nehme das zwar nicht in meinen Urlaub mit, aber immer dann, wenn ich diese Dinge sehe, fühle ich mich geborgen, sicher und das Herz wird warm.
Wer den Urlaubskoffer von einem Ministranten packen will, der nach Rom fährt, der muss also an das GOTTESLOB, an den Wecker und vielleicht auch an das Kuscheltier denken. Wer kein Romwallfahrer ist, der sollte aber auch fragen: Was brauche ich, um meinen Glauben an Gott im Urlaub zu leben, um pünktlich zu sein, wenn es darauf ankommt, und was brauche ich, um mich geborgen und sicher zu fühlen. Weil Gott unser guter Vater ist, hat er Freude daran, wenn wir uns sicher und geborgen fühlen, wenn wir die Zeit nicht vergeuden und wenn wir sein Gotteslob singen und beten. Manche wundern sich, dass man im Urlaub an Gott denken soll. Ich sage dazu: ER denkt immer an UNS. Deshalb sollten wir IHN nicht vergessen.
Vielleicht schreibt ihr mir aus eurem Urlaub oder von der Ministrantenwallfahrt in Rom. Dann zeichnet auf die Karte drei Dinge, die euch wichtig waren und die ihr eingepackt habt.


Es grüßt und segnet euch
Weihbischof Dr. Reinhard Hauke



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