Regensburg: Die Brücken sind im Bau

Fünfzehn junge Leute aus dem Bistum Erfurt haben das vielfältige Programm des Regensburger Katholikentages kritisch unter die Lupe genommen. Von ihren Erfahrungen berichtet Gabriel Dörner (19).

Gabriel DörnerEs war nicht leicht, bei strömendem Regen und zähfließendem Verkehr auf den Autobahnen nach Regensburg zu gelangen. Doch nachdem wir unser Quartier bezogen und uns etwas eingelebt hatten, konnte ich das wunderschöne historische Stadtbild Regensburgs auf mich wirken lassen. Dass man längst nicht alle interessanten Veranstaltungen des Katholikentages miterleben kann, war mir schon beim letzten Mal aufgefallen. Und dennoch war es wieder jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung, zu entscheiden, welches Podium, welchen Workshop oder Infostand man besuchen möchte. Zwar verbrachte ich den Katholikentag gemeinsam mit vierzehn anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus allen Regionen unseres Bistums, doch aufgrund unserer verschiedenen Interessen erlebte jeder von uns ein individuelles Programm.

So verbrachte ich zum Beispiel den ersten, verregneten Nachmittag im Zentrum Jugend, das in den Räumen eines Gymnasiums untergebracht war. Hier gab es eine Fülle von Mitmachangeboten, jedoch waren viele Veranstaltungen schon nach kurzer Zeit überfüllt. Beim Workshop „Gebärdensprache zu Musik“ erlernte ich Grundlagen der Gebärdensprache. Es ist wie ein ganz besonderer Tanz, ein Lied in Gebärdensprache zu übersetzen. Ein weiteres gern genutztes Angebot im Zentrum Jugend war der eigens aufgebaute Hochseilgarten, bei dem man in luftiger Höhe mit dem Thema Berufung in Berührung kam. Leider war das Zentrum Jugend sehr weit außerhalb gelegen, dass man es nicht zu Fuß erreichen konnte. So mussten wir erst wieder eine Busverbindung heraussuchen, um von dort an andere Veranstaltungsorte zu gelangen.

An den Abenden gab es verschiedene musikalische Angebote. Ein Höhepunkt war das große Konzert der Wise Guys, das viele unserer Gruppe besuchten. Parallel dazu fand in der Innenstadt ein leidenschaftliches Konzert mit Musik des Balkans statt. Während wir dazu ausgelassen tanzten, hörte es sogar auf zu regnen, und hinterher bedankte sich der Veranstalter für unsere gute Laune.

Anderntags hatte ich mir den Campus der Uni vorgenommen. Hier gab es das „Eine-Welt-Dorf“ mit Ständen der Umweltorganisationen sowie zahlreiche inhaltliche Veranstaltungen. Besonderen Eindruck hat bei mir ein Workshop zum Thema „Können Vegetarier die Welt besser retten?“ hinterlassen. Auch das Werkstattgespräch mit dem Künstler Thomas Moritz Müller über sein Fotoprojekt „Modern Sebastian“ beeindruckte mich, setzte sich dieses doch mit einer Figur auseinander, welche mir als Namenspatron unseres Erfurter Jugendhaus nicht unbekannt ist. Anhand seiner Fotoausstellung konnte ich einmal einen ganz anderen Blick auf den Heiligen Sebastian werfen. Den Tagesabschluss bildete eine Andacht in der Donauarena, bei dem wir unter tausenden Teilnehmern das besonderen Flair eines Taizégebets spüren konnten.

Beim Bummeln über die Katholikentagsmeile auf den Donauinseln stieß ich auf interessante Stände und Gespräche. Von Abtreibungsgegnern bekam ich Plastik-Föten zugesteckt, an anderer Stelle versuchten mich Ordensgemeinschaften eindringlich von ihren Idealen zu überzeugen. Den Auftritt des Bistums Erfurt musste ich lange suchen, war er doch nicht wie die anderen Diözesen als separater Stand zu finden, sondern unscheinbar im letzten Zipfel der Insel unter dem Namen „Ökumene in der Mitte“ versteckt. Am letzten Abend boten wir auf der Straße ein paar Lieder dar, die wir während der Tage einstudiert hatten. Das Publikum war hervorragend; am Ende hatten wir uns sogar einen Zuschuss zu unserem Abendbrot verdient! Zu späterer Stunde wehten lateinamerikanische Rhythmen und Glockenklänge durch die Innenstadt und trugen zu einem beschwingten letzten Abend bei.

Der Zentrale Abschlussgottesdienst am Sonntag sollte laut Programm der Höhepunkt der Tage sein, doch leider konnte er keinen unserer Gruppe so richtig mitreißen. Das Motto des Katholikentages lautete zwar „Mit Christus Brücken bauen“, doch leider war das Wahrzeichen Regensburgs, die Steinerne Brücke, von Baugerüsten umzäunt und nur zu erahnen. Ebenso verspürte ich den Geist dieser Tage: Es wird zwar an einer Gemeinschaft im Glauben gearbeitet, aber richtig sichtbar sind die interreligiösen Brücken für mich noch nicht. Ein Anfang ist gemacht - doch bis man die Brücke betreten kann, sind noch viele Schritte nötig.

So wünsche ich mir für den nächsten Katholikentag in Leipzig im Jahr 2016 etwas mehr Schwung, vor allem bei den Großveranstaltungen, und stabilere Brücken der gemeinschaftlichen Verbundenheit – ich baue gerne mit!

Gabriel Dörner
FSJ-Helfer im Referat Kinder und Jugendseelsorge des Bistums Erfurt

7.6.2014



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