Erst die Frauen, dann der Weihbischof

Predigt von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke zur Frauenwallfahrt zum Kerbschen Berg, die unter dem Motto "Heute alles geschenkt" steht. Zuvor lassen die Frauen ihren Gedanken zum 2. Petrusbrief freien Lauf.

Logo: Frauenwallfahrt im Bistum ErfurtDen Beginn der Predigt gestalten die Frauen der Vorbereitungsgruppe. Im Dialog tragen sie ihre Gedanken zur Lesung aus dem 2. Petrusbrief vor.

Gespräch über die Lesung 2 Petr 1, 3-7

Nadine:  Die Lesung, die wir vorhin gehört haben passt  genau zu unserem heutigen Wallfahrtsthema. Man könnte fast sagen, dass wir uns die Predigt heute "schenken" können, da in der Lesung genau das zum Wallfahrtsthema stand, was wichtig ist.

Marion: Das mag vielleicht sein, aber ich glaube, du bist vielleicht die Einzige, die verstanden hat, worum es da gerade ging. Und außerdem bist du in dieser Arbeitsgruppe, die jedes Jahr die Frauenwallfahrt vorbereitet.

Elena: "Schenken können" hätte man sich nur die Lesung. Ich bin auch in der Vorbereitungsgruppe und ich war dagegen diese Lesung heute zur Frauenwallfahrt zu nehmen. Wenn man sie nur einmal hört, dann ist sie schwer zu verstehen. Es bleiben dann vielleicht nur Worte hängen, wie "verderbliche Begierde, die in der Welt herrscht" oder etwas von "Frömmigkeit" und "Brüderlichkeit".  Ich hab damals schon gesagt, dass die Frauen dann enttäuscht nach Hause gehen:
Das ganze Leben wird verteufelt. Man darf sich über nichts freuen. Und wer fühlt sich bei Worten, wie Brüderlichkeit überhaupt als Frau angesprochen?

Nadine: Aber hier im zweiten Petrusbrief steht exakt das, was wir heute feiern wollen. Ich lese es noch einmal vor:
"Alles, was für unser Leben gut ist, hat seine göttliche Macht uns geschenkt! Da habt ihr es:  A L L E S   G E S C H E N K T."
und weiter steht hier: "Sie hat uns den erkennen lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat. Durch sie wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt."

Marion: Wer ist denn Sie?  SIE hat uns erkennen lassen; und durch SIE wurden uns die kostbaren Verheißungen geschenkt. Der Text ist wirklich sehr unverständlich.

Nadine: Da kommt endlich mal die weibliche Form vor und wir verstehen sie nicht.
Mit SIE ist die göttliche Macht gemeint. Gott selbst, in seiner Macht, hat uns alles geschenkt, was wir zum Leben brauchen und was uns hilft auf dem Weg zu Gott.
Das heißt doch: Ich darf vertrauen. Mir fehlt wirklich nichts, dass mein Leben gelingt und an sein großes Ziel kommt. Mehr noch: Gottes Macht hat uns den einen Menschen geschenkt, in dem die Kraft Gottes, die Macht der Liebe, selber uns begegnet: Jesus Christus.
Wir dürfen ihn "erkennen", heißt es in der Lesung – wir dürfen mit dem Blick des Glaubens von innen her verstehen, wer dieser Mann aus Nazaret, dieser am Kreuz Hingerichtete wirklich ist. Er ist der Auferstandene, der heute lebendig ist. Ja, wir dürfen erleben, welche Faszination, welche Anziehungskraft von ihm ausgeht.

Marion: Wenn du das so erklärst… ab und zu habe ich das schon gespürt! Jesus Christus lädt uns ein, er ruft uns hinein in die Lebensgemeinschaft mit Gott, zu einem Leben, das unsere menschlichen Vorstellungen sprengt – zu einem göttlichen Leben, wie es in der Lesung heißt.

Nadine: Ja, göttlich dürfen wir leben – oder, anders gesagt, ewig. Das göttliche Leben ist jetzt schon da. Mitten in unserem Alltag. Die ganze Bibel ist voll von den immer neuen Versprechen Gottes, den Verheißungen, dass dieses göttliche, ewige Leben einmal unser ganzes Sein bestimmen wird. Na, wenn das kein Geschenk ist!

Elena: Dann lies aber auch weiter. Da kommt es dann nämlich. Die große und kostbare Verheißung haben wir doch nur bekommen, damit ihr der verderblichen Begierde, die in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil erhaltet.
Verderbliche Begierde…das passt doch zum Bild, welches viele von der Kirche haben….alles Weltliche ist schlecht, das neue Auto, das schöne Haus, die schicke Bluse…

Marion: Wahrscheinlich denken die meisten bei Begierde auch an Sexualität oder Lust.  
                   
Nadine: Das kann man oder frau hören, muss man aber nicht.

Elena: Mir ist schon auch klar, dass es anders gemeint ist.

Nadine: Dann versuch es doch mal zu erklären.

Elena:  Das ist aber ganz schön schwierig. Vielleicht so:  Gott hat mich nach seinem Abbild geschaffen. Ich. Du. Wir alle sind nach Gottes Meinung wunderbar geschaffen. Mein Ursprung liegt also in Gott. Gott weiß auch, was ich alles für mein Leben brauche: Zum Beispiel Kleidung oder Nahrung. Er lädt mich ein, auf IHN zu vertrauen. Er sagt: Ich weiß, was du für dein Leben brauchst. Sorge dich nicht darum. Ich bin für dich da. Deshalb kann ich mich mit meiner ganzen Kraft darum kümmern, dass das Reich Gottes schon hier auf Erden beginnt. Gleichzeitig kann ich aber auch gelassen sein und über meine Bemühungen lachen. Kennt ihr diesen schönen Spruch von Ignatius von Loyola: "Handle so, als ob alles von dir abhinge, in dem Wissen aber, dass in Wirklichkeit alles von Gott abhängt."
Wenn ich so lebe, dann kann ich etwas von "der göttlichen Natur" widerspiegeln, wie es im Text heißt.

Marion: Jetzt, wo wir uns mit der Lesung beschäftigen, zeigt sich, wie aktuell dieser Text immer noch ist. Unsere Zeit  bietet viele Möglichkeiten. Es gibt schöne und günstige Angebote für ein gutes Leben. Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn ich mir etwas leisten kann. Ich darf mich über den Kauf eines wunderschönen neuen Schals freuen. Aber ich darf mich nicht davon abhängig machen. Es darf nicht der Dreh und Angelpunkt meines Lebens sein. Die Gefahr ist, dass ich die Menschen neben mir vergessen könnte. Dass ich vielleicht meinen Nächsten übersehe.

Nadine: Ich denke genau das ist es, was mit "verderblicher Begierde"  hier gemeint ist. Wir sollen unser Herz nicht komplett an diese Welt hängen, weil etwas viel Kostbareres auf uns wartet. "Diese Welt, in der wir leben, ist nicht das Ziel, sondern der Weg. Das macht mich als Christen einerseits gelassen und unabhängig. Ich muss nicht alles haben."
Aber einfach ist es nicht, in dieser Gelassenheit und Unabhängigkeit zu leben.

Elena: Gott hat uns alles geschenkt, was zum Leben führt. Er hat uns seinen Sohn erkennen lassen. Wir sind gerufen am göttlichen Leben teilzuhaben.
Die Lesung ging aber noch weiter. Wir haben noch diese Aufzählung gehört: Glaube, Tugend, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausdauer, Frömmigkeit, Brüderlichkeit, Liebe.

Marion: Ich stelle mir das so vor. Das ist ja so eine Art Anleitung für unser Leben.
Wir sollen nicht nur beten, sondern diesen Glauben damit verbinden Gutes zu tun. Wer Gutes tun will, muss Bescheid wissen und braucht deshalb Erkenntnis. Und wer an Erkenntnis gewinnt, soll sich in Selbstbeherrschung üben – nicht nur kurz, sondern mit Ausdauer. Geduld ist da gefragt. Bischof Wanke hat immer gesagt: Einen langen Atem haben. Und dann war da noch die  Frömmigkeit: Fromm sein heißt, aufmerksam sein auf Gott.
Wenn wir Gott ehren, sollen wir füreinander da sein wie Geschwister.
Und wenn wir füreinander da sind, dann soll es aus Liebe geschehen. Wir sollen aus Liebe handeln, also nicht mit einer Gegenleistung rechnen.
Wenn alles das in uns vorhanden ist und Raum gewinnt, sind wir auf einem Weg Christus immer mehr zu erkennen.

Nadine: Findet ihr nun auch, dass dieser Text genau dass erklärt, was wir mit dem Titel "Heute alles geschenkt" meinen. Gott hat uns alles geschenkt, was wir zum Leben brauchen. Und dieses Geschenk ist noch größer und wertvoller, als es auf den ersten Blick scheint. Mit diesem Geschenk sollen wir Anteil haben an Gott selbst.

Elena: Und mit dem "Heute" werden wir daran erinnert in der Gegenwart zu leben. Sie ist die einzige Zeit, in der wir unser Leben gestalten können.

Marion: Heute alles geschenkt – so schnell und einfach ist der Satz gesagt. Aber so schnell und einfach sind wir mit dem Geschenk Gottes an uns nicht fertig. Es ist  kein Geschenk fürs Regal, was man einfach nur hin und wieder mal abstauben müsste. Es ist vielmehr anspruchsvoll. Denn, was dieses Geschenk Gottes eigentlich alles bereithält, muss jeder und jede für sich täglich neu entdecken.
                                                                                     
Elena: Es ist nur manchmal gar nicht so einfach, in meinem Alltag dieses Geschenk zu entdecken. Und wenn ich von Unfällen höre, bei denen Menschen verletzt werden oder im Familien- oder Bekanntenkreis jemand schwer erkrankt – dann spüre ich so gar nichts von diesem Geschenk Gottes!

Nadine: Wir dürfen auf Gottes Zusage vertrauen, dass er uns alles schenkt, was wir zum Leben brauchen – auch in schlimmen oder schwierigen Situationen unseres Lebens.

Elena: Jede von uns muss suchen, was Gott für das eigene Leben geschenkt hat und schenkt. Mir sind da die Worte von Bischof Wanke in Erinnerung:  "Gott liegt nicht auf den Ramschtischen der Warenhäuser herum. Er ist kein Billigprodukt. Er ist nicht laut und aufdringlich.
Er ist anspruchsvoll. Er ist der ganz Andere. Er kann auch verunsichern. Er führt auf ungewohntes Terrain. Aber er führt uns ins Weite. Er lässt uns Grenzen überschreiten."  

Marion: Das Motto der Frauenwallfahrt will uns aufmerksam werden lassen für unser Leben.
Ich habe da noch einen schönen Text von Andrea Kett gefunden: Die Seligpreisungen vor dem übervollen Kleiderschrank:

Selig sind die Bescheidenen,
denn sie erinnern mich daran,
was wirklich wichtig ist im Leben.

Selig sind, die nicht jeden Trend mitmachen,
denn sie ermutigen mich, ich selbst zu sein.

Selig sind, die bewusst verzichten und dabei fröhlich sind,
denn sie bestätigen mich darin,
dass weniger manchmal mehr ist.

Selig sind, die ihr letztes Hemd geben für andere
Und sich nicht sofort ein neues kaufen,
denn sie zeigen mir, was teilen heißt.


Porträt Weihbischof Hauke, ErfurtFortsetzung durch Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke:

Mt 6, 19.20.25-34a

Einen Schatz heben
Liebe Wallfahrerinnen, von vielen Seiten wurde unser Wallfahrtsthema schon durch die Frauen bedacht und ausgelegt. Grundlage war für sie der Lesungstext aus dem 2. Petrusbrief.  Ich danke herzlich für diese Impulse zum Nachdenken über das Geschenk des Glaubens,  das nicht im Regal einstauben soll, sondern durch die Benutzung und Verwendung zu strahlen beginnt. Ich denke bei solchen Überlegungen immer gern an eine Entdeckung, die zur Zeit, als ich Dompfarrer war, von den Domküstern auf dem Boden der Domsakristei gemacht wurde: Ein Schatz von Reliquien der "Quatuor Coronati" – der "Vier Gekrönten". Seit dem 15. Jahrhundert wurden diese Reliquien in den großen Prozessionen mitgetragen und damit die heiligen Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert verehrt, die in den Steinbrüchen  Dalmatiens getötet wurden, weil sie als christliche Steinmetze keine Statue des heidnischen Gottes Asklepios herstellen wollten. Sie starben für ihre Überzeugung, dass es nur den einen Gott gibt, den Vater Jesu Christi und Schöpfer aller Dinge. Irgendwann verschwanden sie auf dem Dachboden, weil es vielleicht nicht mehr üblich war, Reliquien in Prozessionen zu tragen. Jetzt wurden sie als Schatz neu entdeckt und es wurde überlegt, sie im Dom an einem geeigneten Platz aufzustellen.

Das Evangelium: Gottesreich und Gerechtigkeit geschenkt
Der Evangelist Matthäus schenkt uns in seinem Evangelium das Wort Jesu, das die wesentlichen Schätze des Menschen benennt: das Gottesreich und die Gerechtigkeit Gottes. Da kommt kein Rost und da kommen keine Motten und Würmer heran und die Diebe können sie nicht stehlen. Jesus holt sehr weit aus, um zu dieser Aussage zu kommen. Er beschreibt sehr ausführlich die Sorge des Menschen um Kleidung und Nahrung und nennt diese Sorge als unbegründet, weil Gott ja weiß, was wir zur Nahrung und zum Anziehen brauchen. Keine Kleiderschränke und keine Vorratsscheunen können unser Leben verlängern. Daher müssen wir diese Sorgen kritisch hinterfragen.

Zuerst solle es uns um das Gottesreich und seine Gerechtigkeit gehen – sagt Jesus. Und auch hier gilt das Wort des 2. Petrusbriefes: "Heute alles geschenkt." Bei aller Anstrengung um das Gottesreich und seine Gerechtigkeit ist es letztlich der verantwortungsbewusste Umgang mit einem Geschenk. Denken wir nur an das wunderbare Gleichnis Jesu von den klugen und törichten Jungfrauen, die eigentlich nichts anderes tun mussten, als zur rechten Zeit vorbereitet an der Tür zum Hochzeitsmahl zu stehen um dann  eingelassen zu werden, wenn der Bräutigam kommt. Sie wussten, dass der Bräutigam kommt und sie in den Hochzeitssaal einlassen wird. Sie kannten nur den Zeitpunkt nicht und sollten deshalb immer bereit sein, aber das hatten sie teilweise nicht richtig geplant. Dass es nicht unmöglich ist, zeigen die klugen Jungfrauen, die ja dann bereit stehen mit brennenden Öllampen und eingelassen werden.  Es gibt die Möglichkeit, sich auf das Gottesreich und seine Gerechtigkeit einzustellen und das Geschenk anzunehmen. Allein Sie alle als die heutigen Wallfahrerinnen sind ein lebendiger Beweis dafür, wenn Sie sich heute aufgemacht haben hier auf den Kerbschen Berg, um zu beten,  zu singen und die Gemeinschaft im Glauben zu erfahren. Sie kommen ja nicht, weil heute die Sonne scheint und wir zu Hause nicht auch zum Gottesdienst gehen könnten, sondern weil uns an dem Glauben etwas liegt, der immer wieder eine Erneuerung und Auffrischung braucht. Das geschieht besonders bei unseren Wallfahrten. Die Gerechtigkeit, von der Jesus Christus spricht und die mit dem Gottesreich zutiefst verbunden ist, bedeutet für mich: die Liebe Gottes zu uns Menschen. Das ist das Recht, das Gott uns zusprechen will. Damit verbunden sind die Erlösung und das Leben, das er geben will, gemeint. Gerechtigkeit ist der innere Ausdruck des Gottesreiches – wie eine Verfassung oder ein Gesetz, in dem wir den Charakter des Gottesreiches erkennen können. Das lebendigste Beispiel dafür ist Jesus Christus mit seinen Worten und Taten selbst. Wenn er die Kinder zu sich kommen lässt, wenn er auf den Boden schreibt und nichts sagt, als die Pharisäer und Schriftgelehrten die Frau steinigen wollten, die sie beim Ehebruch ertappt hatten, wenn Jesus von der wachsenden Saat spricht, bei der man erst später erkennen kann, was Unkraut und was Weizen ist und deshalb Geduld haben muss beim Jäten, wenn er vom barmherzigen Vater erzählt, der schon an der Tür auf den verlorenen Sohn zu warten scheint, um ihm dann mit offenen Armen entgegen zu gehen und ein Fest ausrichtet, das kaum ein Maß kennt. Mit solchem Inhalt ist das Gottesreich gefüllt, zu dem uns Jesus Christus eingeladen hat und das als Geschenk bereit steht – vielleicht aber hinter der Tür, die geöffnet wird, wenn es dafür Zeit ist. Das Einzige, was nötig ist, ist die Wachsamkeit unsererseits.

Der Lebensgrund: mein Glaube
Wie aber gehen wir mit unseren Sorgen um Nahrung, Kleidung, Wohnung, Arbeit, Gesundheit  und Bildung um? Spielt das alles nun keine Rolle mehr, wenn es das Geschenk des Gottesreiches hinter der Tür gibt, die zu einem gegebenen Zeitpunkt, den nur Gott kennt, geöffnet wird? Das wäre töricht, so zu denken und zu handeln. Die genannten Sorgen sind ein Spiegel unserer Verantwortung für und in der Welt, in unserem Alltag. Öffentliche Verantwortung übernimmt man bei Wahlen als Wählender oder Gewählter. Es ist gut und richtig, wenn wir mit diesem Recht gerade in diesem Jahr verantwortlich umgehen.

Ich möchte ein Bild nennen, das für mich das richtige Verhalten als Christ beschreiben und verständlich machen kann:
Weil ich als Jugendlicher angefangen habe, Ölgemälde großer Meister wie Rembrandt, van Delft, Pinturiccio, Dürer, Tizian und Raphael zu kopieren, habe ich mich über den Aufbau eines Gemäldes informiert. Neben dem Spannrahmen braucht man eine gute Leinwand, auf der ein Untergrund aufgetragen wird. Erst auf diesem guten Untergrund, der meistens weiß oder mit heller Farbe gestaltet wird, kann die Ölfarbe aufgetragen werden. Den Untergrund sieht man später nicht mehr, aber er ist sehr bedeutsam für das Gelingen des Gemäldes. Wenn er sich mit der Farbe nicht verträgt, wird das Gemälde nicht lange halten.  Bei dem Gemälde von Raphael zeigte sich erst nach einigen Tagen, nachdem das Gemälde fertig war und die Firnis aufgetragen wurde, dass die Vorzeichnung auf dem Untergrund sich durch die Farbe durchschlug und Maria in der Mitte des Gesichtes einen Strich hatte. Da musste ich zumindest beim Gesicht der Madonna wieder von vorn anfangen.

Mir fällt auch ein anderes Bild ein, das ganz aus der menschlichen Erfahrung kommt: Die Erbanlagen des Menschen sind ganz tief in unserer DNS verborgen. Aus ihnen kommen die äußere Gestalt des Menschen und auch sein Charakter. Ein gutmütiger Mensch muss sich nicht anstrengen, um gutmütig zu sein. Das ist seine Grundbestimmung, die er noch entfalten oder auch so ausformen kann, dass sie nutzbringend ist für die Familie oder sogar für die ganze Gesellschaft. Ein Phlegmatiker muss sich sehr anstrengen, diese Gemütsprägung so zu gestalten, dass sie nicht für ihn oder die anderen zu einem Kreuz wird. Man kann diese Bestimmung durch die DNS nicht sehen, aber sie ist prägend für unser Leben.

Das Gottesreich und seine Gerechtigkeit geschenkt
Was ich sagen will: Wir brauchen einen soliden Untergrund im Leben, damit die Schönheit des Lebens sichtbar sein kann. Wir brauchen eine Grundstimmung, die sich in den verschiedenen Charaktereigenschaften ausformt und gestaltet. Das ist für mich der Glaube an das Gottesreich und seine Gerechtigkeit. Das sage ich nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit, aber dieser Glaube ist immer da und gibt den Farben meines Lebens eine große Leuchtkraft und der Grundstimmung eine Ausprägung, die hoffentlich zum Segen für die Welt ist.
"Heute alles geschenkt!" – wir sind die Zeugen für das Reich des Lichtes und des Friedens – für das Gottesreich. Möge diese gute Nachricht ohne Grenzen sein. Amen.



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