Gutes sagen

Wort von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke zum Weihnachtsfest 2013

Weihbischof Reinhard Hauke, Bistum ErfurtVor kurzem habe ich in einer Ausstellung eine Weihnachtskrippe aus dem 16. Jahrhundert gesehen, die etwas außergewöhnlich ist. Wie bei den bekannten Darstellungen gibt es dort natürlich auch Maria und Josef, die Hirten mit den Schafen, Ochs und Esel im Stall und die heiligen drei Könige, die aus dem Morgenland gekommen sind, um den Sohn Gottes anzubeten. Und in der Futterkrippe das Jesuskind. Meistens wird es schlafend gezeigt oder mit ausgebreiteten Armen. Bei dieser Weihnachtskrippe ist es jedoch anders. Das Jesuskind legt eine Hand segnend auf den kahlen Kopf von einem der drei Könige.

So eine Darstellung hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Diese Geste des Jesuskindes ist auch nicht biblisch überliefert. Und doch bringt der Künstler  hier den Kern der Weihnachtsbotschaft rüber. Hier wird deutlich gemacht, was der tiefste Sinn dafür ist, dass Gott Mensch wurde. Das Jesuskind legt segnend die Hand auf den Kopf. Segnen kommt von dem lateinischen Wort "benedicere", und das bedeutet in der Übersetzung auch "Gutes sagen". Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie es sich anfühlt, wenn jemand seine Hand auf unseren Kopf legt oder uns über den Kopf streicht. Dann wissen wir: Derjenige meint es gut mit uns, er ist uns zugetan. Auch wenn wir selbst jemandem die Hand auf den Kopf legen, tun wir es, weil wir ihm zugetan sind.

In dieser Krippendarstellung führt uns der Künstler ganz deutlich vor Augen: Gott ist uns Menschen zugetan. Weil er uns liebt, und zwar ungeachtet unseres Aussehens, unseres Könnens, unseres sozialen Standes, sandte er seinen Sohn auf diese, unsere Welt. Das ist das "gute Wort" für uns. Manchmal verschleiern Sorgen und Probleme diese gute Botschaft. Kriege, Unterdrückung, Flüchtlingsdramen oder Naturkatastrophen scheinen diese Wirklichkeit, dass Gott uns zugetan ist, wegzuwischen. Weihnachten erinnert uns immer wieder neu daran, dass Gott mit uns ist. Egal wie gut oder schlecht die Zeiten sind.

Ich wünsche allen Menschen in fern und nah ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!


23.12.2013



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