"Kontakt auf Augenhöhe ist der richtige und einzige Weg zum Miteinander"

Grußwort von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke an die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am 21. November 2013 in Erfurt

Porträt Weihbischof HaukeSehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

herzlich grüße ich Sie anlässlich Ihrer Synode als Vertreter der katholischen Christen im Bistum Erfurt. Durch mein Kommen und mein Grußwort möchte ich mein Interesse an den weiteren Kontakten zwischen Ihnen und dem Bistum Erfurt auf Augenhöhe bekunden. Das hat uns bisher voran gebracht und wird auch weiterhin der richtige und einzige Weg zum Miteinander in der thüringischen Diaspora sein.

Der heutige Tag wird in unserer katholischen Kirche als Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem begangen. In den Ostkirchen wird dieser Tag als "Einführung unserer allheiligen Gebieterin, der Gottesgebärerin und ImmerjungfrauMaria in den Tempel" bezeichnet. Seit dem 6. Jahrhundert ist dieses Fest im Osten bekannt und wird aus dem apokryphen Jakobusevangelium abgeleitet. Dort heißt es, dass die dreijährige Maria durch ihre Eltern Anna und Joachim in den Tempel gebracht  und als Jungfrau geweiht  wurde. Es ist eines der zwölf großen Feste in der Orthodoxie und wird vom 21. bis 25. November begangen.

Im 14. Jahrhundert übernahm auch die Westkirche dieses Fest und gab ihm zuerst den Titel "Mariä Opferung". 1472 wurde das Fest durch Papst Sixtus IV. für die ganze westliche und dort noch ungeteilte Christenheit festgeschrieben.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekam das Fest einen neuen Titel: "Unsere Liebe Frau von Jerusalem". Schon im Lukasevangelium gibt es Hinweise, die Maria als Urbild und Verkörperung der "Tochter Zions" bezeichnen. Jerusalem ist geprägt vom Leiden, Hoffen und Glauben. Das hat sich bis heute so weiterhin bestätigt. In ihr zeigt sich, wie es auch der Kirche heute geht. Auch heute ist die Kirche ein Ort, in dem Leid, Hoffnung und Glauben zu Hause sind. Denken wir nur an die Christen in Ägypten, Syrien und anderen arabischen und afrikanischen Ländern. Und auch hier bei uns ist die Existenz der Kirche nicht unangefochten.

Das II. Vatikanische Konzil hat die Bedeutung Mariens für die Kirche – dem neuen Jerusalem – dadurch zum Ausdruck gebracht, dass es Gedanken zu Maria an den Schluss der Konstitution über die Kirche (Lumen Gentium) gestellt hat. Maria steht unter dem Kreuz, sie betet mit den Aposteln am Pfingstfest um den Heiligen Geist. Sie ist dort, wo Kirche sich formt.

Wenn auch die Verehrung Mariens in der evangelischen Kirche eine andere Gestalt gefunden hat, so ist sie doch auch in ökumenischer Verbundenheit als Vorbild in der Annahme des Leidens und in der Freude am Glauben anerkannt. Gerade im Hinblick auf die kommenden Wochen des Advents wird Mariens Glaube und ihre Hoffnung sichtbar, wenn sie, die erfüllt ist mit dem Heiligen Geist, der das Werden ihres Sohnes bewirkt hat, auf der Suche ist nach einer Herberge in Bethlehem. In einer Zeit, wo wir Herberg suchende Flüchtlinge auch in Thüringen erwarten, die voller Hoffnung sind auf Heil und Heilung, wird uns die tiefe Bedeutung von Hauslosigkeit, Fremde und Armut bewusst, aber auch die Dimension der Hoffnung auf Neues.

Ich wünsche der Synode einen gesegneten Verlauf und die Erfahrung von der Nähe Gottes, der immer schon weiß, wie sich unser Weg gestaltet. Unsere Aufgabe ist es, diese Wege Gottes zu erkennen.

21.11.2013

Grußwort von Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke an die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am 21. November 2013 in Erfurt



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