Unermüdlich an der Seite der Schwachen

Der Malteser Hilfsdienst im Bistum Erfurt feiert sein 20jähriges Bestehen.


Malteserfahrzeug und Helfer


Erfurt (BiP/mhd). Im Juni 1993 wurde im heutigen Bistum Erfurt der Malteser Hilfsdienst e.V. gegründet. Am Montag, 8. Juli, feiert die Hilfsorganisation mit einem Festakt in der Erfurter Brunnenkirche ihr 20jähriges Bestehen.

Mann der ersten Stunde und nach wie vor als ehrenamtlicher Diözesanleiter am Ruder ist Winfried Weinrich, der Leiter des Katholischen Büros Erfurt. Er erinnert sich gerne an die Jahre des Aufbaus: "Schon in den drei Jahren vor der Gründung des Diözesanverbandes hatte unser erster Geschäftsführer Andreas Geoerg mit der Starthilfe einiger Partnerdiözesen aus den Altbundesländern die Grundlagen für die Arbeit der Malteser in Thüringen gelegt", erzählt Weinrich. So seien bereits 1990 Ortsgliederungen in Apolda, Erfurt, Heiligenstadt, Hildburghausen und Jena entstanden.

In einer Baracke in der Györer Straße im Erfurter Norden fanden die Malteser ihren ersten, bescheidenen Dienstsitz. Von dort aus wurden die mobilen sozialen Dienste wie Pflegedienst, Menüservice und Hausnotruf sowie die Hospiz- und Jugendarbeit, die Erste-Hilfe-Ausbildung, der Rettungsdienst sowie die sich rasch entwickelnde Rumänien-Auslandshilfe koordiniert. Schon im Gründungsjahr konnten die Thüringer Malteser Nahrung, Bekleidung, Spielzeug und medizinisches Gerät im Wert von rund 300.000 Mark nach Rumänien bringen.

Ende 1993 zählten bereits 1.695 aktive und passive Mitglieder zum Diözesanverband, für den sich zahlreiche ehrenamtliche Männer und Frauen jedes Alters engagierten. Außerdem beschäftigten die Malteser zu diesem Zeitpunkt dreißig hauptamtliche Mitarbeiter sowie zwölf Honorarkräfte und achtzig Zivildienstleistende. Weinrich blickt dankbar zurück: "Ich möchte besonders die finanzielle Unterstützung der westdeutschen Diözesanverbände in den Neuen Bundesländern erwähnen. Aus eigener Kraft hätte der Malteser Hilfsdienst im Bistum Erfurt nicht aufgebaut werden können."

Malteser mit älterem Mann im GesprächDass die mittlerweile gewonnenen Kräfte nicht schwinden, dafür sorgt die Jugendarbeit der Malteser. Von der Gründung an erleben Kinder und Jugendliche in wöchentlichen Gruppenstunden und auf gemeinsamen Fahrten Gemeinschaft und lernen Verantwortung füreinander. Soziale Projekte wie das jährlich stattfindende Wochenende für Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder Kurse für Schulsanitäter machen nicht nur allen allen Beteiligten großen Spaß, sie eröffnen Jugendlichen auch das Feld gesellschaftlicher Mitwirkung.

Die Jugendarbeit der Malteser endet nicht an den Bistumsgrenzen. So führte etwa der Hochwasser-Einsatz 1997 in Polen zu einer Partnerschaft mit Jugendlichen aus Krakau und Bielsko Biala. 1998 fand eine Begegnungswoche mit je 40 Jugendlichen aus Thüringen und Polen in Erfurt statt, an der auch die politische Öffentlichkeit regen Anteil nahm.

Neben der Jugendarbeit stellt die Hospizarbeit ein wichtiges Betätigungsfeld der Malteser im Bistum Erfurt dar. Die ökumenische Hospizgruppe Erfurt besteht länger als der Malteser-Diözesanverband und trat zur Gründung der Malteser 1993 in den Verband ein. Im März 2007 übernahmen die Malteser die Trägerschaft des Hospizdienstes Arnstadt und im Januar 2013 des Hospizdienstes Unstrut-Hainich-Kreis.

Ende 2009 wurde das stationäre Hospiz St. Martin auf dem Gelände des Katholischen Krankenhauses Erfurt eingeweiht, an dem der Malteser Hilfsdienst als kleinerer Gesellschafter beteiligt ist. Und im September 2012 nahm der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Stadt Erfurt und Umland seine Arbeit auf, der sich um Kinder mit lebensverkürzender Erkrankung und ihre Familien kümmert. Dieser Dienst wird gemeinsam von den Maltesern und dem Deutschen Kinderhospizverein getragen.

Diözesanleiter Winfried Weinrich zeigt sich über die Entwicklung des Verbandes in den letzten zwanzig Jahren zufrieden. Die Malteser sind heute an den Standorten Erfurt, Jena, Arnstadt, Hildburghausen, Mühlhausen, Breitenworbis und Weißenborn-Lüderode aktiv. Die von Anfang an bestehenden Dienste würden nach wie vor wahrgenommen. Daneben hätten sich die Malteser auch weitere Wirkungsfelder erschließen können, sagt Weinrich und nennt als Beispiel das Projekt "Zusammenwachsen und Mehr", bei dem die Malteser kostenlose Nachhilfestunden für Kinder aus finanziell schwachen Familien anbieten. Auch der Ausbau der Besuchs- und Begleitungsdienste, nicht zuletzt im Bereich Demenzbegleitung, ist ein Arbeitsfeld der Malteser, das sich erst nach der Gründung entwickelt hat. Und in der Auslandsarbeit wollen die Malteser künftig die palliative Begleitung und Hospizbetreuung von Aids-Kranken in Südafrika sowie die Versorgung von hinterbliebenen Minderjährigen unterstützen.

"Wir helfen dort, wo wir gebraucht werden," betont Weinrich, "daher sind unsere Betätigungsfelder ganz verschieden: Jugendliche erleben Gemeinschaft mit Gleichaltrigen in der Malteser-Jugend; unheilbar Kranke, Sterbende und Trauernde erfahren durch unsere Hospizmitarbeiter Begleitung, Zuspruch und Trost; einsame Senioren und Menschen mit Behinderungen werden von unserem Besuchsdienst 'zurück ins Leben' geholt; unsere Fahrdienste bringen Patienten zur Dialyse und Kinder in Schulen; Menüservice und Hausnotruf unterstützen Senioren zu Hause; Notfallpatienten sind bei unserem Rettungsdienst bestens aufgehoben; unser Katastrophenschutz hilft in Krisenzeiten, und unser Sanitätsdienst unterstützt große Veranstaltungen und bietet Erste-Hilfe-Kurse an."

All das findet alltäglich statt. Doch gibt es auch einzelne, herausragende Ereignisse, an die die Malteser gerne zurückdenken. So etwa die Behindertenwallfahrt 2008 nach Rom, bei der 329 Menschen mit Behinderungen und rund 700 Malteser in 29 Bussen aus ganz Deutschland in die Heilige Stadt reisten. Dank der Malteser konnten selbst Rollstuhlfahrer an der Wallfahrt teilnehmen und Orte aufsuchen, zu denen sie es ohne Hilfe niemals geschafft hätten.

Und dann das Jahr 2011, das Thüringer "Papstjahr", in dem Papst Benedikt XVI. im September das Bistum Erfurt besuchte. Der Malteser Hilfsdienst in Erfurt musste nicht lange gefragt werden, er bot von sich aus Hilfe und Unterstützung an, als die Reisepläne konkret wurden. Insgesamt 800 Malteser aus dem Bistum Erfurt und benachbarten Diözesanverbänden leisteten Sanitäts-, Fahr- und Rettungsdienste sowie Unfallhilfe. Im Dankschreiben von Bischof Wanke, hieß es später: "Auf besondere Weise haben Sie den Geist der Malteser unter dem Leitsatz 'Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen' aufscheinen lassen."

Das Jubiläum ist für Diözesanleiter Weinrich Gelegenheit, auch nach vorne zu blicken. Er sieht die Malteser für die Zukunft bestens gerüstet. "Wir werden auch weiterhin da sein, wo wir hingehören: an der Seite der Schwachen und Hilfsbedürftigen."

 

Malteser mit Rollstuhlfahrer beim Kirchentag


Malteser Hilfsdienst im Bistum Erfurt in Zahlen (im Jahr 2012):

587 aktive ehrenamtliche Mitglieder, 180 Mitarbeiter im Hauptamt, 5.137 Fördermitglieder.
150.000 Beförderungen von Patienten, Menschen mit Behinderungen und Schülern mit unseren Fahrdiensten;
2.227.243 gefahrene Kilometer in den Diensten: Fahrdienste, Rettungsdienst, Hausnotruf und Menüservice.

344 Notrufe im Hausnotruf-Dienst Stadt Erfurt.

20.000 ausgelieferte Menüs im Menüservice Stadt Erfurt.

1612 Teilnehmer in Erste-Hilfe-Kursen.

117 Kinder- und Jugendliche pro Jahr in Gruppenstunden, beim Nachhilfe-Projekt und bei Malteser-Fahrten dabei; 11 Kinder-Gruppen mit 15 verschiedenen Angeboten; 28 jugendliche ehrenamtliche Gruppenleiter.

4.695 Einsatzstunden im Bereich Hospizarbeit und Trauerbegleitung, dabei haben 116 ehrenamtliche Hospizmitarbeiter 119 sterbende Menschen begleitet.


3.7.2013



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