"Menschen in der Art eines Joachim Wanke werden weiter dringend gebraucht."

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in ihrer Laudatio zur Verleihung des Ökumenepreises an Altbischof Wanke

Ministerpräsidentin Chriostine Lieberknecht am Rednerpult

"Nichts ist schwieriger als Loben", schreibt Max Frisch. Einerseits fällt es mir in der Tat nicht ganz leicht, im Folgenden mit dem Loben zu beginnen, weil ich Ihre hohe Tugend der Bescheidenheit, lieber Herr Bischof Dr. Wanke, sehr zu schätzen weiß und eigentlich respektieren müsste. Andererseits fühle ich mich sehr geehrt, die Laudatio auf Sie, Herr Dr. Wanke, anlässlich der ehrenvollen Verleihung des Ökumenischen Preises 2013 halten zu dürfen. Seit vielen Jahren bin ich Ihnen als Politikerin und als evangelische Christin geschwisterlich verbunden. Insofern fällt mir das öffentliche Loben des großen Theologen, des beliebten Seelsorgers und des weitsichtigen Bischofs einer historischen Zeitenwende leicht. Ja, es ist mir ein Herzensanliegen!
Ist doch Bischof Dr. Wanke immer ein Brückenbauer sowohl zwischen den Konfessionen als auch zwischen Christen und Nichtchristen gewesen. Dies hat ihm weithin Respekt und Anerkennung verschafft.

Seit 1995 verleiht die Katholische Akademie Bayern den Ökumenischen Preis. Ich freue mich sehr,  in dieser namhaften Akademie zu Gast zu sein, die nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland einen hervorragenden Ruf genießt. Ihre Zeitschrift "Zur Debatte", die uns in der Staatskanzlei in Thüringen regelmäßig erreicht, gibt davon ein eindrucksvolles Zeugnis.

Lieber Herr Bischof Wanke, Sie reihen sich nun in eine Reihe höchst honoriger Vorgänger ein. Die letzten Preisträger waren der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich im Jahre 2011, die Ökumenische Gemeinschaft von Taizé im Jahre 2009 sowie der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, im Jahre 2007. Es sind Preisträger, die allesamt mutige und weitsichtige Förderer der Ökumene sind – so wie Sie.

Wer ist der Mensch Joachim Wanke, der heute diesen Preis erhält? Ihre Vita, sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke, ist ebenso bewegend wie beeindruckend:
1941 in Breslau in Schlesien geboren,
1944  nach dem Tod des Vaters aus Schlesien vertrieben, siedelte sich die Familie im thüringischen Ilmenau an.
Nach dem Theologiestudium in Erfurt empfing Dr. Wanke von seinem Amtsvorgänger, Bischof Aufderbeck 1966 die Priesterweihe.

1980 – Sie waren erst seit kurzem Professor für neutestamentliche Exegese – wurden Sie von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Erfurt mit dem Recht der Nachfolge ernannt. Mit dem Tod von Bischof Hugo Aufderbeck waren Sie dann seit 17. Januar 1981 Apostolischer Administrator.  Mit damals 39 Jahren waren Sie der jüngste Bischof in der früheren DDR.
Nach der Erhebung von Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt wurden Sie 1994 Diözesanbischof.

Am 1. Oktober 2012 nahm Papst Benedikt XVI. mit Rücksicht auf Ihre angeschlagene Gesundheit Ihr Rücktrittsgesuch an.

Sehr geehrter Herr Dr. Wanke Sie waren nicht nur der jüngste Bischof in der ehemaligen DDR. Sie waren auch der dienstälteste Bischof in den neuen Ländern, mehr als 31 Jahre an der Spitze des heutigen Bistums Erfurt, davon neun Jahre zu Zeiten der DDR. Zudem sind Sie Autor zahlreicher theologischer Schriften und Bücher.

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke,
Ihrem jüngsten Buch, 2012 im Benno-Verlag erschienen, mit dem Titel „Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung“, haben Sie den Untertitel „Ermutigungen für Christen“ gegeben. Das ist nicht nur handfest und selbstbewusst, sondern zeigt die Kraft Ihres Wirkens, denn Ermutigung kann nur derjenige aussprechen, der selbst Mut hat.

Und wenn es einen Wesenszug gibt, der Sie auf Ihrem Lebensweg begleitet, dann ist es der Mut: Der Mut zum Bekenntnis, der Mut zum Dialog, der Mut zur Klarheit – und selbstverständlich auch der Mut zur Ökumene.

Sie plädieren in den "Ermutigungen" für eine gemeinsame Verantwortung all derer, "denen an einer Präsenz des Evangeliums hier in Deutschland auch in Zukunft gelegen ist, nicht zuletzt auch im ökumenischen Verständnis".

Diese Äußerungen zeigen bereits sehr gut die besondere Gewichtung der Ökumene, die Ihr Wirken, Herr Bischof Dr. Wanke, immer mit geprägt hat.
In ihrer Preisbegründung schreibt die Katholische Akademie wörtlich:
"In dieser Stunde der Kirche sind Christen gefordert zu einem vierfachen intensiven Austausch:

  • in der nüchternen Reflexion auf die eigene geistesgeschichtliche Situation der Kirche, 
  • in der Suche nach einem gemeinsamen glaubwürdigen Zeugnis aller Christen inmitten der Gesellschaft,
  • im interreligiösen Gespräch
  • und besonders auch in der sensiblen, sowohl bescheidenen wie selbstbewussten Begegnung mit Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, denen der Glaube sehr fremd geworden ist.

Für all das hat Bischof Joachim Wanke bemerkenswerte Maßstäbe gesetzt. Ihn zeichnet in herausragendem Maße jene innere Haltung aus, die erst ermöglicht, dass Dialog gelingt. Er warnt davor, sich gegenseitig zu messen oder zu überfordern, und plädiert dafür, gemeinsam das zu tun, was guten Gewissens möglich ist. So wächst für ihn Freundschaft in der Ökumene und mit allen Menschen guten Willens." – Ende des Zitats aus der Preisbegründung.


Anknüpfend an diese zweifelsohne sehr richtige Einschätzung möchte ich ausdrücklich auch die theologische Kompetenz, ja Brillanz des Geehrten hervorheben, die eine wichtige Basis für sein ökumenisches Wirken ist. Tragfähige Ökumene kann sich nicht im guten Willen und im gut gemeinten Handeln erschöpfen. Sie braucht auch theologische Qualifikation und Begründung, wenn sie tragfähig sein soll. Bischof Wanke liefert diese Begründungen.

Ich nenne beispielsweise seinen wegweisenden Beitrag "Haben Katholiken am Reformationsjubiläum 2017 etwas zu feiern?", einen Vortrag, den er erstmals zum Begegnungstag des Rates der EKD und der leitenden Geistlichen der Gliedkirchen im Januar 2011 in Schwerte gehalten hat.
Dabei wird aus dem anfänglichen „Nein“ zu Beginn seiner Ansprache ein vorsichtiges "Ja", das er wie folgt begründet: "Wir alle hätten 2017 etwas zu feiern, wenn dieses Gedenken dazu beiträgt, uns tiefer mit unserem Herrn und damit auch untereinander zu verbinden." (1)

Basis der bisherigen und der künftigen ökumenischen Gemeinsamkeit ist die Heilige Schrift, in der Sie als neutestamentlicher Exeget besonders zu Hause sind. Als solcher haben Sie für die Bischofskonferenz seit 2008 den Vorsitz der Kommission der deutschsprachigen Bischöfe für die Revision der Einheitsübersetzung der Hl. Schrift innegehabt.

Damit haben Sie eine wichtige, unabdingbare Arbeit im Hinblick auf die ökumenische Verständigung über die biblischen Grundlagen und Inhalte des gemeinsamen Glaubens geleistet. Und wie ich höre, haben Ihre Bischofskollegen Sie nach Ihrer Emeritierung aus dieser Aufgabe noch nicht ganz entlassen. Sie sind weiter hilfreicher Begleiter dieses Prozesses.  Das kann ich auch persönlich gut nachvollziehen!

Mut zum Bekenntnis
In all meinen verschiedenen politischen Ämtern habe ich Sie, hoch verehrter Herr Bischof Dr. Wanke, als aufgeschlossenen, geradlinigen, immer offenen und menschenfreundlichen Gesprächs- und Verhandlungspartner kennen und schätzen gelernt. Und als Seelsorger und Theologen, dem die Ökumene ein Herzensanliegen ist.

Nicht allein das Bistum Erfurt, nicht nur der Freistaat Thüringen hat Ihnen viel zu verdanken. Gerade weil Ihre Stimme nie laut, nie aufdringlich, nie apologetisch, nie fordernd war, weil Sie zuhören, weil Sie überzeugen konnten, hatte Ihr Wort stets Gewicht. Dies gilt auch heute in Ihrem Ruhestand unverändert.

Schon zu DDR-Zeiten bewegte Bischof Wanke die Frage, wie Christen in einer weitgehend nichtchristlichen, in einer vielfach atheistischen Umgebung leben und wie sie das Evangelium den Menschen  weitersagen können.

Es ist den DDR-Machthabern bei allem Druck nicht gelungen, die historisch gewachsene Volksfrömmigkeit aus dem Alltag der Bevölkerung zu verdrängen. Ich denke dabei an die Tausende Teilnehmer an Wallfahrten, an Fronleichnamsprozessionen im katholischen Eichsfeld oder um den Erfurter Dom als sichtbares mutiges Bekenntnis des Glaubens – und damit gegen die staatliche antikirchliche Propaganda.

In aller ökumenischen Verbundenheit, für mich persönlich waren die Wallfahrten als evangelische Jugendliche in der DDR genauso ein Zeichen des Bekenntnisses, der Ermutigung und der Freiheit wie meinen katholischen Glaubensgeschwistern. Sie gehören zu den prägenden Erlebnissen meiner Jugendzeit in den siebziger und achtziger Jahren bis heute.

Mut zum Dialog
Für Sie, Herr Dr. Wanke, stand eines fest – ich zitiere Sie: "Die Menschen werden nicht als Atheisten geboren. Es gibt eine prinzipielle Offenheit aller Menschen für den Anruf Gottes" (2).  Dies ist eine Ihrer bis heute tragenden Kernbotschaften. Deswegen werden Sie auch nicht müde zu betonen: Die Kirche müsse eine einladende und auskunftsfähige, eine dialogische Kirche sein.
Erst kürzlich haben Sie bei der Verabschiedung des Geschäftsführers des Katholischen Forums und des Bildungswerkes im Bistum Erfurt, Hubertus Staudacher, – gewissermaßen die kleine Katholische  Akademie in Thüringen – dies unter der Überschrift "Dialog ist eine Grundkategorie des Glaubens und der Glaubensbezeugung" eindrucksvoll dargelegt. Wer in der Kategorie des Dialoges denkt und lebt, für den ist auch eine grundsätzliche ökumenische Orientierung geradezu selbstverständlich.

Aus dieser Perspektive heraus ist denn auch Ihr Blick, lieber Herr Bischof Wanke, auf die etwa Zweidrittel Konfessionslosen in Ostdeutschland ein freundlicher, offener und einladender Blick. Und diese Einstellung spüren die Menschen. Nicht zuletzt deshalb sind Sie auch bei diesen vielen Menschen sehr geschätzt und beliebt.

Angesichts der spezifischen Minderheitensituation im Osten und der politisch-gesellschaftlichen Bedrängnis beider Kirchen in der früheren DDR war Ökumene häufig praktizierte Selbstverständlichkeit. Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung war es Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Wanke, wichtig, diese gute Praxis beim "Weiterbau in Freiheit" nicht verlorengehen zu lassen, sondern einzubringen in den gesamtdeutschen kirchlichen Kontext.

Das wohl eindrucksvollste Beispiel langjährigen ökumenischen Miteinanders ist die alljährliche ökumenische Martinsfeier auf den Domstufen und dem Domplatz von Erfurt mit häufig mehr als Zehntausend Besuchern. Sie findet am Vorabend des Martinstages, also am 10. November statt, der zugleich der Geburtstag Martin Luthers ist. Beides wird in Erfurt gemeinsam öffentlich gefeiert und wegen der besonderen Atmosphäre auch von vielen Nichtchristen besucht.

Das wohl herausragendste Ereignis Ihrer Amtszeit war der  Papstbesuch in Erfurt und Etzelsbach im September 2011. Dieses Jahrhundertereignis für unseren Freistaat ist untrennbar mit Ihrem Wirken, sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke, verbunden.

Persönlich denke ich dankbar und bis heute ergriffen an den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Augustinerkloster zurück, der ganz im Zeichen der Ökumene stand. Sie, Herr Bischof Dr. Wanke, haben es als wichtiges Zeichen angesehen, dass der Papst von sich aus die Begegnung mit Vertretern der Evangelischen Kirche gewünscht hat. Ich sehe das genauso.

Aber auch die unverwechselbaren Landschaftsbilder vom Eichsfeld mit den unzähligen Menschen bei der Marianischen Vesper – das sage ich als evangelische Christin – wirken in mir tief nach. Das werde ich nie vergessen.
Ebenso wie die unvergessliche Messe auf dem Domplatz in Erfurt. Dort haben Sie den Heiligen Vater mit den Worten begrüßt: "Wir sehen Ihren Besuch als ein Zeichen der Ermutigung für alle ostdeutschen Katholiken, die in der Zeit des Sozialismus das katholische Bekenntnis des Glaubens treu bewahrt haben. Gemeinsam mit den evangelischen Christen sind wir bemüht, den Himmel offen zu halten für alle, die hier leben."(3)

Gemeinsam den Himmel offen halten – ein wunderbares Bild!
Auch hier haben Sie vor Tausenden Pilgern, dem Heiligen Vater und der medialen Öffentlichkeit Ihr klares Bekenntnis zur Ökumene, und dies bei einem so historischen Ereignis gegeben.

Mut zur Hoffnung
Bischof Wanke für sein ökumenisches Engagement würdigen heißt auch, ihm für seine langjährige verdienstvolle Tätigkeit als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (1995-2001) zu danken. Es ist ein Forum, in dem alle christlichen Kirchen in Deutschland versammelt sind. Für diese Arbeit konnten Sie auch von den Erfahrungen der Ökumenischen Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit, und Bewahrung der Schöpfung in der zweiten Hälfte der 80er Jahre in der DDR profitieren, in die Sie sich ebenfalls auf besondere Weise eingebracht haben.

"Ohne das Licht und die Kraft des heiligen Geistes wird sich die Einheit unter den Kirchen nicht verwirklichen lassen", dies bekundeten Sie in der Ökumenischen Versammlung. Ihnen ging es immer darum, aus Freundschaft heraus den gemeinsamen Blick auf eine große Aufgabe wachsen zu lassen. Auf die Aufgabe, „für alle Kirchen und Christen die gute Botschaft von Jesu Ostersieg über Sünde und Tod allen Menschen weiterzusagen." Ihnen geht es um einen "Prozess einer Vertiefung, einer qualitativen Verdichtung unseres Gottesglaubens“, um „eine Konzentration auf die Mitte der christlichen Botschaft". (4)

Das ökumenische Miteinander, so schreiben Sie in Ihrem Artikel "Reformation damals - Kirche heute" – "kann uns helfen, voneinander zu lernen und geschichtlich bedingte Einseitigkeiten oder Verengungen wieder zu überwinden." Sie haben uns allen Mut gemacht mit Ihrem gewiss sehr deutlichen Appell: "Wir müssen endlich ernst machen mit der Tatsache, dass uns in der Tiefe mehr untereinander verbindet als uns an der Oberfläche trennt."


Mut zur Klarheit
Die Einheit in Vielfalt, das ist für Sie, Herr Bischof Dr. Wanke eine Überlebensfrage des Christentums in der globalen Welt von heute. Ich zitiere nochmals aus Ihrem Reformationsartikel: "Die anderen Religionen werden das Christentum nur als Gesprächspartner ernst nehmen, wenn es sich als eine einheitliche christliche Kirche präsentiert, nicht als eine Kirche, aus der ein buntes, teils widersprüchliches Stimmengewirr ertönt. Wir werden nur im Weltdialog der Religionen eine Stimme haben, wenn die eigene christliche Grundüberzeugung klar konturiert ist und sich auch – sicherlich vielgestaltig, aber doch eben in sich schlüssig – als gemeinsame Position der Weltchristenheit darstellt." (5)

Meine Damen und Herren, das ist eine große Herausforderung, vor der wir hier stehen,  nämlich, ich zitiere Sie weiter, um "zum einen den Gottesglauben mit seinem Wahrheitsanspruch vor dem kritischen Denken des Menschen zu verantworten, und zum anderen, nicht nur gegenüber den asiatischen Religionen, sondern auch gegenüber dem jüdischen Gottesglauben darzulegen, dass sein Gotteszugang in der Überzeugung beruht, dass sich Gott in Jesus Christus mit uns Menschen unwiderruflich und voll Erbarmen verbunden hat." (6)

Das sind tief gehende Worte des großen Theologen Dr. Wanke, die uns zu denken geben. Wir brauchen eine substantielle Verständigung über die wesentlichen Glaubensfragen. Leicht ist es gewiss nicht, in geistloser Zeit geistlich, geistlicher zu werden!

Sie, Herr Dr. Wanke, warnen vor einem kurzatmigen Ökumenismus, der mehr auf Gefühle statt auf theologischen Sachverstand setzt. Ihre ökumenische Grundregel lautet: sich mehr unserer gemeinsamen Mitte, also Christus zuwenden. Oder in den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils: "Es gibt keinen Ökumenismus ohne innere Bekehrung".


Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke,
ich danke Ihnen am heutigen Ehren-Tag der Preisverleihung auch für die hervorragende Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesregierung, für unzählige vertrauensvolle und verlässliche Gespräche und insbesondere auch für das gemeinsam Erreichte. Ihr engagiertes Eintreten für die Integration des früheren Philosophisch-Theologischen Studiums als Katholisch-Theologische Fakultät in die Universität Erfurt war von Erfolg gekrönt. Das 10-jährige Bestehen dieser Fakultät haben Sie im letzten Jahr in einem würdigen Festakt begehen können.


Besonderer Höhepunkt im Kalendarium eines jeden Jahres war stets der Elisabethempfang für die Abgeordneten der Parlamente, die Politiker aller Ebenen, von der kommunalen Ebene, über die des Landes, des Bundes oder Europas, die Verantwortlichen der Organisationen, Vereine, Verbände und Behörden sowie die Vertreter der Medien. All die Jahre standen diese Abende unter einem guten und segnenden Geist der Schutzpatronin, der Heiligen Elisabeth, aber auch von Ihnen, Herr Bischof Dr. Wanke. Ganz besonders eindrucksvoll war dies im Elisabeth-Jahr 2007.

Dankbar bin ich auch  für unsere gemeinsame Arbeit im Kuratorium Deutsche Einheit. Hier ist mir auch künftig an unserem Miteinander sehr viel gelegen. Ihre wertvollen Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit haben mich immer wieder spüren lassen, wie sehr Sie die Einheit Deutschlands als Geschenk empfinden. Doch dieses Geschenk, die deutsche Einheit,  das bleibt  für Sie stets mit dem Auftrag verbunden, dieses  in Verantwortung und im Respekt vor dem Nächsten zu gestalten. Und dafür sei Mut notwendig.

Ihr wunderbares Bild vom Jungen mit der Mütze hatte ich bereits bei Ihrer Verabschiedung aus dem Bischofsamt in Erfurt zitiert. Jener Junge, der unschlüssig war, ob er den Wassergraben überspringen konnte, diese Ihre Metapher begleitet mich bis heute. Erst warf er die Mütze über den Graben, dann fasste er den Mut, auch selbst zu springen.

Sie verglichen damals nach der Einheit die Thüringer mit diesem Jungen, die Thüringer,  die "bereit sind, den Sprung zu wagen – weil sie ihr Herz schon in ein neues, schöneres menschlicheres Thüringen investiert haben." Das war Ihre Rede zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit mit dem Festakt der Landesregierung in Meiningen 1994 – ich habe dies bis heute nicht vergessen.

Hoch verehrter Herr Dr. Wanke, Sie haben ein bedeutendes, nachhaltig bleibendes und wirkendes Stück Kirchengeschichte und Gesellschaftsgeschichte in unserer bewegten Zeit mitgeschrieben. Früher unter den atheistisch geprägten Umständen Ära der DDR. Und heute unter den Bedingungen der pluralen Gesellschaft, in der wieder mehr nach den Wurzeln, nach Bindung, nach Spiritualität gefragt wird.
Dieses neue Nachfragen nach tragfähigen Grundlagen, nach dem Sinnhaften des Lebens ist nicht automatisch ein Zugehen auf Kirche und Christentum. Menschen, Seelsorger, Prediger in der Art eines Joachim Wanke werden weiter dringend gebraucht.


Ihr Abschied aus dem Bischofsamt, der von Ihnen,  Herr Dr. Wanke, aus gesundheitlichen Gründen frei gewählt war, dieser Abschied bedeutet für viele Christen wie Nichtchristen einen Verlust. Dennoch: Sie bleiben bei uns. Sie bleiben in Erfurt. Wir werden weiterhin von Ihnen hören. Erheben Sie immer wieder Ihre Stimme. Wir Christen wie Nichtchristen, Katholiken wie evangelische Christen, wir brauchen solch wertvolle geistliche und geistige Impulse eines großen Theologen und Seelsorgers.

Ich bin mir sicher: Ihre Stimme wird auch in Zukunft offene Ohren finden. Wir alle hoffen, dass Sie weiterhin das geistige und geistliche Leben im versöhnten Geist der Ökumene bereichern.

Ich danke Ihnen für Ihren Mut. Für Ihre Klarheit. Für Ihre Dialogbereitschaft. Herzlichen Glückwunsch zum Ökumenepreis 2013 der Katholischen Akademie, eines weithin - dank intellektueller offener Dispute  - geschätzten geistigen und geistlichen Forums unserer Zeit.

Ihnen, hoch verehrter Herr Bischof Dr. Wanke,  herzlichen Glückwunsch zu diesem angesehenen Preis und Ihnen persönlich alles erdenklich Gute, Gottvertrauen und Gottes reichen Segen.

(1) zit nach: Christ in der Gegenwart Nr.23/2011, Joachim Wanke, 2017 evangelisch und katholisch
(2) Zit nach:www.bistum-erfurt.de vom 5.11.2008
(3) Zit. Nach Presseinformation Papstbesuch 2011 vom 24.9.2011, Pressestelle Deutsche Bischofskonferenz
(4) Ansprache Bischof Joachim Wanke bei der Ökumenischen Versammlung in Erfurt am 12.6.1996
(5) Reformation damals - Kirche heute, Bistum Erfurt, Dokumentationen, a.a.O.
(6) Ebd.

 

Dankwort des Preisträgers, Altbischof Joachim Wanke: www.bistum-erfurt.de (bitte anklicken)



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