Kirchliche Kritik am Bestattungswaldkonzept einiger Abgeordneter des Thüringer Landtages

Erklärung des Katholischen Büros Erfurt

Zwei verblühte Rosen auf einem AschenhaufenDem Thüringer Landtag liegt in dieser Woche ein Entwurf für eine Novelle des Bestattungsgesetzes in der ersten Beratung vor. Kernkonzept des Entwurfes, eingebracht von Abgeordneten der Landtagsfraktionen DIE LINKE, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ist die Nutzung von nichteingefriedeten Waldstücken als Friedhöfen zur Urnenbestattung.

Seitens des Katholischen Büros Thüringen wird dieses Bestattungswaldkonzept für rechtlich bedenklich gehalten, weil der Bestattungsbereich des Waldes nicht eingefriedet und deshalb nicht eindeutig als Friedhof erkennbar ist. Eine Einfriedung ist aus kirchlicher Sicht erforderlich nicht nur zur eindeutigen räumlichen Zuordnung und Wahrnehmung des Geländes als Bestattungsort, sondern vor allem auch zur Sicherung der Totenruhe (z. B. Schutz gegen Wildtiere und mutwillige Verwüstung). Keine Bedenken bestehen gegenüber Urnenbeisetzungen in Waldstücken, wenn diese Bestandteil eines Friedhofes sind (Friedpark innerhalb eines Friedhofes).

Aus kirchlicher Sicht wird außerdem durch das Bestattungswaldkonzept die Tendenz einer Anonymisierung von Bestattungen verstärkt. Der Charakter eines Friedhofes als Stätte öffentlicher Gedenkkultur und als Gedächtnis unserer Gesellschaft tritt in den Hintergrund: An Bestattungsbäumen werden vorwiegend anonyme Nummernplaketten angebracht; grundsätzlich sollen Grabsteine und Grabschmuck entfallen, obwohl diese Ausdruck der Würdigung der Verstorbenen und eine Hilfe beim Prozess des Abschiednehmens und der Trauerbewältigung sind.

Liegt einen Bestattungswaldkonzept die naturphilosophische Vorstellung eines Aufgehens des Verstorbenen in die Natur zugrunde, wäre kein Raum für religiöse Symbole, die jedoch eng mit der tradierten Friedhofskultur verbunden sind und auch den Bedürfnissen der Angehörigen von Verstorbenen entsprechen können.

Künftige Beratungen über Veränderungen im Thüringer Bestattungsgesetz sollten sich an der Wahrung der Ehrfurcht vor den Toten, die Achtung der Totenwürde sowie dem Schutz der Totenruhe und der Totenehrung orientieren.

Ordinariatsrat Winfried Weinrich
Leiter des Katholischen Büros Erfurt -
Kommissariat der Bischöfe in Thüringen


18.6.2013



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