Es lohnt sich, den Glauben zu wagen und von ihm zu erzählen

Weihbischof Hauke schreibt in seinem Ferienbrief an die Kinder über Draufgänger und Angsthasen

zwei Jungen auf der Bank

"Du bist ein Angsthase!" – sagt der Vater zu seinem Sohn, der nicht ins kalte Wasser springen will, wobei der Vater schon eine Runde geschwommen ist und der Sohn noch unsicher am Ufer steht. Der Junge könnte viele Gründe nennen, warum er nicht springt: "Es ist zu kalt! Es ist zu tief! Ich habe einfach keine Lust!" Angsthasen, die nichts Neues wagen, helfen sich selbst und auch anderen damit nicht. Gut ist es, wenn dann der Vater ermutigt und der Junge sich doch ein Herz fasst und springt.
"Du bist ein Draufgänger!" – sagt die Mutter zu ihrer Tochter, die mit dem Fahrrad Treppen herunter fährt und sogar schon über einen Bach gesprungen ist. Die Tochter hat entdeckt, dass man zwar sehr schön auf der Straße geradeaus fahren kann, aber man kann auch mit dem Fahrrad springen. Die Tochter könnte viele Gründe nennen, warum sie nicht langsam fährt: "Es ist zu langweilig! Es ist zu langsam! Es ist zu normal!" Gut ist es, wenn die Mutter mit Geduld und Verständnis zur Tochter spricht und sie vielleicht zu etwas ruhigerem Fahrstil bewegen kann.

In der Bibel lese ich oft das Wort: "Fürchte dich nicht!" Der Engel sagt es zu Maria, als er ihr die Botschaft von Gott bringt, dass sie die Mutter Jesu werden soll. Die Engel sagen es den Hirten auf dem Feld in Bethlehem. Jesus sagt es zu den Aposteln im Boot, die sich fürchten, weil Jesus zu ihnen auf dem Wasser gelaufen kommt. Die Engel sagen es zu den Frauen, die am leeren Grab Jesu stehen und nicht wissen, was da passiert ist. Wenn sich alle weiterhin gefürchtet hätten, wäre nichts weiter gegangen. Es gehört zum Leben, dass wir etwas wagen, ohne gleich lebensmüde zu werden.

In der Bibel lese ich auch: "Hab Geduld!" Das sagt der Apostel Paulus an vielen Stellen seiner Briefe. Selbst Gott nennt er einen "Gott der Geduld" (Röm 15,5), er zählt die Geduld auf als eine Waffe gegen das Böse (Kol 3,12) und als eine Kraft im Wettlauf der Menschen, die das Gute erreichen wollen (Hebr 12,1). Jesus hat zwar auch "Donnersöhne" in seinem Freundeskreis der Apostel, Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus (Mk 3,17). Er nennt sie vermutlich so, weil sie sehr impulsiv und feurig waren. Ihren Charakter haben sie in das missionarische Tun eingebracht und gesteuert, damit es für die Arbeit hilfreich ist. Auch so kann Glaube wachsen.

In diesem Jahr sind alle katholischen Christen durch den alten Papst Benedikt XVI. und durch den neuen Papst Franziskus zu einem "Jahr des Glaubens" eingeladen worden. Das bedeutet: Wir denken ein Jahr lang besonders darüber nach, wie der Glaube zu uns kommt, wie er bei uns ankommen kann, wie er von uns weitergegeben werden kann. Ihr katholischen Kinder im Eichsfeld sagt vielleicht: "Das ist doch ganz einfach! Unsere Eltern erzählen uns von Gott! Der Pfarrer und die Gemeindereferentin erzählen von Gott! Unser Taufpate erzählt von Gott! Dann kann auch ich an Gott glauben und es ist ganz normal!" Ihr katholischen Kinder in der Diaspora sagt dazu: "Unsere Eltern erzählen uns von Gott! Der Pfarrer und die Gemeindereferentin erzählen von Gott! Unser Taufpate erzählt von Gott! Alle meine Freunde in der Schule und auch im Verein aber sagen: 'Du spinnst! Du bist nicht normal!' " Das macht traurig, nachdenklich und auch ängstlich. Wir wollen ja normal und akzeptiert sein. Das kann schon mal das Fürchten lehren.

Es ist gut, wenn wir in den Ferien einmal die Nase aus unserer bisherigen Welt heraus stecken können. Ich werde im Juli zum Weltjugendtag nach Brasilien fliegen. In Rio de Janeiro treffen sich viele Jugendliche aus der ganzen Welt mit Papst Franziskus, um den Glauben an Gott zu feiern. Aus dem Bistum Erfurt reisen mit mir 45 Jugendliche mit. Alle wollen erfahren, wie der Glaube bei jungen Christen in der ganzen Welt aussieht und wollen auch hören, was der neue Papst Franziskus den jungen Christen zu sagen hat.

Ich bin auch gespannt auf die Christen in Rumänien, die ich Anfang August besuchen werde. Gern schaue ich mir auch Berichte über kirchliche Feiern in fernen Ländern an, wo ich z.B. erfahre, dass es bei den Christen in Lateinamerika üblich ist, vor dem Segen des Pfarrers im Gottesdienst zuerst für den Pfarrer zu beten. Das haben wir bei unserem neuen Papst Franziskus gelernt, als er am 13. März sich in Rom den Katholiken als Papst und Bischof von Rom zeigte und vorstellte.

Ich weiß, dass in Amerika die Christen am Sonntag oft den ganzen Tag zusammenbleiben und sich miteinander unterhalten. Sie gehen in das Gemeindezentrum, denn in der Woche haben sie oft nur wenig Zeit, um etwas für ihren Glauben zu tun und etwas Neues dazu zu lernen. Ich staune über junge Christen, die nach der Schulzeit ein "Freiwilliges soziales Jahr" in Indien, Brasilien oder Afrika machen. Sie wagen damit etwas Neues, wo andere fragen: "Kann der Junge oder das Mädchen das eigentlich?" Wenn alle Christen so gefragt hätten, ängstlich geblieben wären und nichts gewagt hätten, dann würden wir heute hier in unserem Bistum Erfurt noch nichts von Jesus Christus wissen. Der Heilige Geist hat die Ängstlichen mutig gemacht und die Draufgänger etwas gebremst, damit sie klug entscheiden und abwägen, welches Risiko sie bei der Predigt eingehen können. Heute ist ein solches Nachdenken z.B. in Ägypten und China für die Christen notwendig, denn ihr Leben ist bedroht, wenn sie sich zu Jesus Christus laut bekennen.

Liebe Kinder, ich lade euch ein, Christen in vielen Ländern kennen zu lernen. Das könnt ihr manchmal auch in euren Gemeinden tun, wenn Gäste aus fernen Ländern kommen. Das könnt ihr auch durch die Zeitschrift "Sternsinger" tun, die euer Pfarrer und eure Gemeindereferentin bekommen. Das könnt ihr vielleicht auch auf einer Reise tun. Dann dürft ihr nicht denken: "Jetzt habe ich Ferien – auch Ferien von Gott". Gott wartet auch auf euren Besuch in der Kirche, wenn ihr in einem anderen Ort oder in einem anderen Land seid. Und wenn eure Eltern sagen: "Heute ist Sonntag und wir wollen ausschlafen!" dann sagt ihnen: "Ich werde mal im Internet nachsehen, wo es in dieser Stadt auch später eine heilige Messe gibt!" Ich garantiere euch dann viele neue Erfahrungen, wo ihr sagt: "Ich bin froh, das Neue und Unbekannte angeschaut zu haben, denn ich habe gemerkt: Katholische Kirche ist bunt, vielfältig und froh! Es lohnt sich, den Glauben zu wagen und von ihm zu erzählen."

Schreibt mir aus den Ferien, welche neuen Erfahrungen ihr mit dem katholischen Glauben oder mit anderen Christen gemacht habt.
Ich wünsche euch eine gesegnete und frohe Ferienzeit.

Euer Weihbischof Reinhard Hauke

Weihbischof Hauke schreibt in seinem Ferienbrief an die Kinder über Draufgänger und Angsthasen



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